In allen Ländern sind viele Menschen von Diabetes mellitus betroffen. Deshalb verwundert nicht, dass viele Länder das Motiv «Diabetes» für Briefmarken gewählt haben. Marken dienen seit 1840 zum Frankieren von Briefen, Karten und Paketen. Ihr Design war von Anfang an wichtig, weshalb man bekannte Künstler zur Gestaltung beauftragte. Fast eine Million Briefmarken mit Tausenden von unterschiedlichen Motiven sind seither weltweit erschienen.

 

 

 

Die Schweizer Post gab im März dieses Jahres eine Sondermarke heraus (wie im d-journal 1/2021 berichtet), um an das 100-jährige Jubiläum der Entdeckung von Insulin zu erinnern. Die blauen und roten Bänder stellen etwas abstrakt die beiden durch Schwefelbrücken verbundenen Aminosäureketten von Insulin dar.

 

 

Die Briefmarke von 2021 ist nicht die erste, welche sich in der Schweiz mit dem Thema Insulin beschäftigt. 1971 erschien das Porträt von Frederick G. Banting, dem kanadischen Mit-Entdecker des Insulins, auf einer Schweizer Briefmarke. Ohne es im Briefmarkentext zu erwähnen, erinnerte man damals an 50 Jahre Insulin. Diese Marke war übrigens die erste der Schweiz mit einer ausländischen Persönlichkeit.

 

 

Weltweit gibt es mehr als ein Dutzend Briefmarken, welche das Insulin, eine der wichtigsten Entwicklungen in der Medizingeschichte, feiern. Zum Beispiel diese zwei kanadischen Marken: Diejenige von 1971 zeigt einen Bildausschnitt des Labors von Banting und Best; auf der Marke des Jahres 1993 sind die beiden Forscher, einer ihrer Laborhunde, eine Injektionsspritze und ein Auszug aus dem Laborbuch zu sehen.

 

 

Einige Briefmarken thematisieren das Leben mit Diabetes. Bis vor 30 Jahren waren Diabetikerinnen und Diabetiker auf die Urinzuckermessung angewiesen. Diese alte Benedict-Probe ist auf der belgischen Briefmarke von 1971 veranschaulicht.

Der schöne Phantasievogel, dessen Schwanz die möglichen Resultatfarben einer Teststreifenmessung zeigt, erschien zum nationalen Diabetestag 1992 in Brasilien

 

 

Es sind verschiedene Briefmarken bekannt, welche die molekulare Struktur von Insulin oder seine Kristalle zeigen (Japan 1994).

 

Weitere wichtige Grundpfeiler der Behandlung von Diabetes wie orale Antidiabetika, Anpassung der Ernrung und körperliche Aktivitäten kommen in der Philatelie kaum vor. Immerhin gibt es ein Beispiel von Mauritius, das unter dem Motto «Prevent Diabetes» (Verhindert Diabetes) zu Lifestyleveränderungen durch Essen von Früchten und durch Sport anregt.

 

Seit etwa 30 Jahren können Diabetesbetroffene die Einstellung schnell und präzise mit der Blutzuckerselbstmessung beurteilen. Diese Technik findet sich auf der Marke von 2020 des karibischen Inselstaates Aruba.

 

 

Einige Briefmarken thematisieren Komplikationen des Diabetes mellitus: 1979 erschien eine österreichische zum Kongress der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) in Wien. Darauf sind Gefässe des Augenhintergrundes mit Veränderungen der diabetischen Retinopathie dargestellt.

 

 

Die Dominikanische Republik wies mit einer Serie von vier Marken auf diabetische Komplikationen hin. Diese Marken rufen zum «Kampf gegen Diabetes» auf und zeigen neben den Landesumrissen gefährdete Organe (Beine, Pankreas, Niere, Herz, Auge).

 

Im Jahr 2000 fand der IDF-Kongress in Mexiko City statt. Hierfür plante die mexikanische Post eine Briefmarke, die aber während der Kongresstage noch nicht erhältlich war. Den vielen interessierten Teilnehmenden wurde von einer Sponsorfirma versprochen, die adressierten Postkarten mit der Sonderbriefmarke zu frankieren und nachzusenden. Doch die Karten verschwanden und gelangten nie zu den damaligen Mexikoreisenden. Später erschien die Briefmarke im Handel, sie ist künstlerisch wenig anspruchsvoll und wurde offensichtlich in aller Eile produziert.

 

 

Die 2001 in den USA erschienene Marke fordert auf, möglichst viel über Diabetes zu wissen – mit der wohl berechtigten Aussage: Mehrwissen verbessert die Qualität des Lebens mit Diabetes.

 

AutorIn: Ulrich Fehlmann