Eine Diabeteserkrankung kann sich auf die Intimgesundheit und das hormonelle Gleichgewicht von Frauen auswirken. Bei einem optimal eingestellten Diabetes sinkt das Risiko für Pilzinfektionen, und der Zyklus kommt wieder ins Gleichgewicht.

Eine vaginale Pilzinfektion äussert sich durch unangenehme Symptome wie Juckreiz, Schmerzen, Brennen und übelriechenden Ausfluss. Verursacht wird sie meist durch die unkontrollierte Ausbreitung der Hefe Candida albicans, die zur natürlichen Scheidenflora gehört. Dieses Problem kennen viele Frauen. Bei Frauen mit Diabetes ist jedoch das Infektionsrisiko höher, die Symptome können sich schneller verschlimmern und die Behandlung ist oft schwieriger.

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Ausbreitung von Hefepilzen ist noch nicht vollständig erforscht. Ursache könnte eine Störung des Immunsystems sein. Eine der Theorien geht davon aus, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel die Immunproteine, sogenannte Beta-Defensine, hemmt (Medical News Today).

Hefen ernähren sich von Zucker

Diabetes kann zur Folge haben, dass Hefepilze sich leichter an Hautzellen und Schleimdrüsen heften, denn bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel scheidet der Körper in Schleim, Schweiss und Urin vermehrt Zucker aus. Da sich Hefen von Zucker ernähren, ist davon auszugehen, dass dieser Faktor ihre Ausbreitung begünstigt. Glykogen ist die gespeicherte Form von Glukose. Und weil bei Menschen mit Diabetes der Glykogenspiegel erhöht ist, kann es zu einer Übersäuerung kommen, was wiederum die Ausbreitung von Hefepilzen begünstigt.

Sobald die Hefepilze einen Bereich besiedelt haben, steigt das Risiko für erneute Infektionen. Wer aufgrund einer schwierigen Kontrolle des Blutzuckerspiegels für diese Infektionsart anfällig ist, kann noch stärker von wiederkehrenden Infekten betroffen sein. Bei einem optimal eingestellten Blutzuckerspiegel sinkt dieses Risiko hingegen, da die Pilze dann ein weniger günstiges Scheidenmilieu vorfinden.

Der Blutzuckerspiegel sollte daher unbedingt proaktiv überwacht werden, wobei Ernährung und Therapie bei Bedarf angepasst werden müssen. Ein weiterer Baustein ist eine sanfte Intimpflege ohne Produkte mit aggressiven Substanzen. Bei Beschwerden sollten Betroffene umgehend ärztlichen Rat suchen, damit eine wirksame Behandlung eingeleitet werden kann und sich das Problem nicht verschärft. Dies ist bei wiederkehrenden Infektionen umso wichtiger.

Prämenstruelles Syndrom

Ein weiterer Aspekt der Intimgesundheit, der viele Frauen betrifft, ist das prämenstruelle Syndrom: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Appetitveränderungen, Flüssigkeitsretention, Ödeme und Blähungen sind nur einige der vielen möglichen körperlichen und psychischen Symptome. Der genaue Zusammenhang zwischen Diabetes und prämenstruellem Syndrom ist noch nicht abschliessend geklärt und wird aktuell weiter erforscht. Teilweise überschneiden sich aber die Symptome, und dadurch wird die Behandlung noch schwieriger. Beide scheinen auf komplexe Weise zu interagieren.

Hormonelle Schwankungen können die Kontrolle des Blutzuckerspiegels erschweren. Umgekehrt kann eine Diabeteserkrankung die Symptome des prämenstruellen Syndroms verstärken: So wurde bislang ihr Einfluss auf den Östrogen- und den Progesteronspiegel untersucht, aber auch auf Neurotransmitter und das Darmmikrobiom. Hinzu kommen mögliche Auswirkungen bestimmter Diabetesbehandlungen. All dies verdeutlicht, wie wichtig eine ganzheitliche Behandlung ist, die sowohl den Diabetes als auch hormonelle Schwankungen im Verlauf des Menstruationszyklus berücksichtigt.

Für Frauen mit Diabetes ist eine ausreichende Blutzuckerkontrolle auch eine Frage der Intimgesundheit: Neben einer adäquaten medizinischen Versorgung gewinnen sie an Lebensqualität, wenn sie lernen, ihren Körper und seine Bedürfnisse zu verstehen.

Quellen

• «Diabetes and yeast infections (candidiasis)», Medical News Today
• «Emerging Perspectives on the Impact of Diabetes Mellitus and Anti-Diabetic Drugs on Premenstrual Syndrome. A Narrative Review», Diabetes Therapy

AutorIn: Martine Salomon