Auf Reisen entdecken wir unbekannte Welten, Kulturen und kulinarische Traditionen. Zudem können wir unsere Komfortzone verlassen und mehr über uns selbst erfahren. Diabetes sollte weder über unser Leben bestimmen noch unsere Projekte und Wünsche einschränken. Klar, es braucht Planung, doch wenn Organisation und Vorsichtsmassnahmen einmal aufgegleist sind, ist alles möglich.

Noch hört man zu oft, dass Diabetesbetroffene auf Einladungen oder Veranstaltungen verzichten, weil es mit dem Essen schwierig werden könnte oder sie befürchten, nicht zu finden, was sie brauchen. Gleiches gilt für Reisen, manche Orte werden aus demselben Grund vermieden. Und das ist schade. Was ist also zu tun, damit die Wunschdestination nicht gestrichen werden muss? Verschaffen wir uns zusammen einen Überblick.
Oh nein …, Reisedurchfall!
Lebensmittelhygiene steht an erster Stelle. «Kochen, braten, schälen oder vermeiden», lautet die goldene Regel, um nichts zu riskieren. Denn das Risiko von Lebensmittelinfektionen besteht überall, auch bei uns. Wenn Sie Zweifel haben, folgen Sie Ihrem Bauchgefühl und lassen Sie etwas weg. Und wenn Sie bei der Wasserqualität nicht sicher sind, meiden Sie Salate und Früchte, die man nicht schälen kann, ebenso Fleisch, Fisch, Gerichte mit Rahmsaucen, Glace, Eiswürfel und Wasser direkt ab Wasserhahn. Die bestellte Wasserflasche soll erst geöffnet werden, wenn sie Ihnen gebracht wird, und auch beim Zähneputzen ist Vorsicht mit dem Wasser geboten.
Wenn nichts mehr geht …
Für manche bedeutet Reisen leider auch Verstopfung. Achten Sie deshalb darauf, viel zu trinken, ausreichend Gemüse, Vollkornprodukte, Früchte und Nüsse zu essen und sich täglich zu bewegen. Auch die zusätzliche Einnahme von anorganischem Magnesium kann nützen, weil es nur wenig aufgenommen wird und hilft, ausreichend Wasser im Darm zu behalten, um den Stuhl aufzuweichen. Falls all das nicht genügend wirkt, tragen Flohsamen schalen dank ihres hohen Gehalts an Nahrungsfasern zu einer guten Verdauung bei. Ausserdem verbessern sie das Blutzuckerprofil nach der Mahlzeit. Nehmen Sie einen Teelöffel davon mit etwas Wasser vor dem Essen, und trinken Sie während der Mahlzeit ein Glas Wasser mehr. Flohsamenschalen sind bei uns in den Supermärkten erhältlich.
Regelmässigkeit
Regelmässige Essenszeiten ermöglichen ein besseres Gleichgewicht. Es wird empfohlen, zwischen den Mahlzeiten vier bis sechs Stunden Zeit einzuplanen und drei Stunden zwischen dem Ende der Hauptmahlzeiten und der Zwischenverpflegung. Es ist ganz wichtig, den eigenen Rhythmus zu finden.
Der ausgewogene Teller
Behalten Sie das Bild eines ausgewogenen Menüs immer vor Augen: Es enthält Gemüse (roh, gekocht oder als Suppe), Kohlenhydrate (in Form von Teigwaren, Reis, Kartoffeln, Quinoa, Brot usw.) Proteine (wie Fleisch, Fisch, Käse, Tofu, Ei) und ein wenig Öl für die Zubereitung. Wenn einmal zu wenig Gemüse auf dem Teller ist, können Sie jederzeit nach mehr fragen. Und wenn es damit nicht klappt: Kaufen Sie gewaschenes und falls nötig auch geschältes Gemüse und essen Sie es gerade vor der Hauptmahlzeit. Sollte auch das nicht möglich sein, können wiederum Flohsamenschalen aushelfen: Weil sie Wasser aufsaugen und quellen, entsteht ein besseres Sättigungsgefühl, und das schützt vor zu viel Proteinen und Kohlenhydraten. Und zum Schluss: Geduld! Man darf nicht vergessen, dass das Gehirn 20 Minuten Zeit braucht, bis gespeichert wird, was man eben gegessen hat. Oft merkt man in Bezug auf Menge und Energiezufuhr deshalb erst 20 Minuten nach dem Ende einer Mahlzeit, dass es ausreichend war.
All you can eat
Buffet heisst «zu viel Auswahl», und «zu viel Auswahl» heisst «zu viel» – so simpel ist das. Steht man vor einem Buffet, ist der erste Impuls, am liebsten von allem ein wenig zu probieren. Man muss sich Zeit nehmen, das Angebot anschauen und überlegen: Was möchte ich wirklich, was esse ich gar nie und worauf verzichte ich ganz sicher nicht? Wählen Sie erst dann aus, stets mit dem ausgewogenen Teller als Modell vor Augen. Sie werden also nicht von allem essen, sondern das, was für Sie am wichtigsten ist. Und das trifft umso mehr zu, wenn es an mehreren Tagen dasselbe Buffet gibt. Falls es trotzdem einmal «zu viel» war, hilft die Anpassung der Behandlung, ausreichend Wasser und Bewegung nach dem Essen, um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei gilt: Einmal ist die Ausnahme, aber zweimal schon der Anfang einer Gewohnheit.
Ein Glas, okay, zwei …
Besonnenheit ist gefragt, um diejenigen Gerichte zu wählen, zu denen sich ein Glas Wein lohnt. Trinken Sie während des Essens auch Wasser, damit Ihr Glas weniger schnell leer ist. Bei Cocktails ist Vorsicht vor Zucker und der Menge an Fruchtsaft geboten. Es ist stets besser, Früchte zu essen, als ihren Saft zu trinken, denn letzterer ist häufig das Problem.
Wenn der Zuckerspiegel sinkt …
Wenn mit der Behandlung ein Hypoglykämierisiko verbunden ist, muss man immer Zucker dabeihaben, und zwar mindestens 15 g, dazu angemessene Reserven an verschiedenen Orten, damit Sie nicht lange suchen müssen. Andere Kohlenhydratquellen leisten ebenso gute Dienste, zum Beispiel Fruchtpasten, Blevita oder Darvida, Getreideriegel und Trockenfrüchte.
Vorausdenken ist das Zauberwort
Steht das Reiseziel fest, lohnt es sich, Informationen zu sammeln und eine Strategie zu entwerfen, damit Sie Schwierigkeiten bewältigen und eine unvergessliche Reise erleben können. Zwei, drei kleine Pannen? Gehören zum Reisen. Doch zu viele verderben den
Spass.
