Ich heisse Lisa Chavreemootoo und komme zur Hälfte aus der Schweiz, genauer gesagt Zürich, und zur Hälfte aus Mauritius. Seit 2021 habe ich selbst Diabetes Typ 1. Ich bin sozusagen ein ganz normales, 16-jähriges Mädchen. Ich spiele seit rund sechs Jahren leidenschaftlich Fussball im Club. Meine allererste Frage im Krankenhaus war, ob ich mit Diabetes weiterspielen könne. Und ja, manchmal ist es mühsam, wenn man auf die Bank muss, weil man ein Hypo hat. Doch Tatsache ist, dass man absolut alles erreichen kann, was man sich vornimmt, egal mit welchem Anhängsel, solange man bloss fest daran glaubt und einfach nie aufgibt.
Wir kennen es alle, Ferienstimmung liegt in der Luft. Doch wie unterscheiden sich Ferien mit und ohne Diabetes? Da ich Wurzeln in Mauritius habe und wir beinahe jedes Jahr dorthin fliegen, kann ich ziemlich gut beurteilen, wie sich Reisen mit Diabetes, den ich seit meinem elften Lebensjahr habe, vom Reisen ohne unterscheidet. Es fängt an beim Packen: Wie oft standen Sie schon vor Ihrem vollgepackten Koffer und dann fiel Ihnen ein, dass Sie Ihren ganzen Sack mit Insulin, Sensoren, Pflastern, Transmittern, Spritzen, Nadeln und (wenn es hochkommt) mit der Ferienpumpe noch nicht eingepackt haben? Ich kann Ihnen versichern, das war bei mir schon ziemlich oft der Fall. Doch nicht bloss das Packen stellt einige Schwierigkeiten dar, weiter geht es mit dem Einchecken am Flughafen. Da ist zum Beispiel die Sicherheitskontrolle, bei der ich jedes Mal erklären muss, wieso es denn nun piept und dass ich wirklich nichts Illegales schmuggeln will! Es sind diese kleinen, unbedeuten den Schwierigkeiten, welche wir zusätzlich bewältigen müssen, die den meisten Menschen nicht einmal auffallen. Dann geht es weiter mit dem Stress, das Kofferfach direkt über dem Sitz zu erlangen – nicht, weil ich so schnell wie möglich aus dem Flugzeug will bei der Ankunft, sondern weil von diesem Handgepäck mein Leben abhängt. Stellen Sie sich das Szenario vor: Sie landen im perfekten Urlaub, doch Ihr Gepäck ist weg. Man weiss, dass Kleider, Toilettenartikel usw. mit grosser Wahrscheinlichkeit irgend wann ankommen, aber wann ist unklar. Die ersten Gedanken sind vermutlich: «Ach Mist», doch dann realisiert man, dass auch Diabetesartikel auf unbestimmte Zeit nicht verfügbar sind – und das in einem fremden Land, da ist guter Rat teuer. Was machen wir dann? Ich möchte Ihnen dazu eine Ge schichte erzählen. Vielleicht ist sie nicht derart dramatisch, wie die Situation, welche ich Ihnen vorhin beschrieben habe, dennoch genug wichtig, um sie zu teilen. Ich hatte noch nicht lange Diabetes, als wir uns voller Vorfreude auf den Weg zum Flughafen machten. Endlich nach Mauritius, endlich wie- der die Familie sehen, endlich wieder Meer, Sonne und Strand. Doch dann der Schock: «Wo war meine Glukagon- Spritze?» Eine Hektik brach aus, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Noch ein mal nach Hause gehen ging nicht, denn der Flieger hob in zwei Stunden ab. Was also tun? Zum Glück kamen wir auf die Idee bei der Flughafen-Apotheke vorbeizuschauen, und tatsächlich, wir er gatterten das letzte Glukagon. Den Gesichtsausdruck meiner Eltern werde ich mit Sicherheit nie vergessen, die pure Panik. Als junges Mädchen war mir völlig unbewusst, wie schlimm mein Fehler hätte ausgehen können. Ich fühlte mich schon gross und dachte, ich könne alles allein schaffen – auch das Packen meiner Diabetesartikel. Wenn es etwas gibt, das ich aus dieser Situation gelernt habe, dann ist es, dass wir Hilfe annehmen dürfen und nicht immer alles alleine schaffen müssen. Denn wahre Stärke zeigen jene, die sich trauen, auch einmal um Hilfe zu fragen. Darum mein Tipp für Reisen mit Diabetes: Behalten Sie einen kühlen Kopf. Es spielt keine Rolle in welcher verheerenden Lage Sie stecken, für die meisten Probleme gibt es eine Lösung. Oder wie meine Mutter immer sagt: «Und wenn schon, es ist noch lange nicht der Weltuntergang.» Hiermit beende ich meine Kolumne über das Reisen mit Diabetes und hoffe, Sie können entspannt in Ihr nächstes Abenteuer eintauchen.