Für viele Menschen sind Ferien die schönste Zeit des Jahres – sie stehen für Erholung, neue Eindrücke und eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Damit die Reise gelingt, ist eine sorgfältige Vorbereitung wichtig, insbesondere für Menschen mit Diabetes – ganz gleich, ob Typ-1-, Typ-2-Diabetes oder andere Formen des Diabetes mellitus.

Reisen in andere Zeitzonen können den Tagesrhythmus verändern und manchmal eine Anpassung der Insulin- oder Medikamentendosis erforderlich machen. Bei Zeitverschiebungen unter vier Stunden ist in der Regel keine Änderung nötig. Bei grösseren Unterschieden gilt: Reisen nach Westen verlängern den Tag – der Insulinbedarf steigt. Reisen nach Osten verkürzen den Tag – der Insulinbedarf sinkt. Fliegt man also nach Westen, wird der Tag länger. Dadurch fehlt Insulin. Es gibt zwei Möglichkeiten, dies auszugleichen:
- Vor dem Flug: Die Menge des Basalinsulins kann erhöht werden. Die Erhöhung richtet sich danach, wie viele Stunden der Tag länger wird.
- Unterwegs: Alle 3 bis 4 Stunden soll eine kleine Menge kurzwirksames Insulin gespritzt werden, um dies auszugleichen.
Fliegt man jedoch nach Osten, wird der Tag kürzer, dadurch ist zu viel Insulin wirksam. Um dies auszugleichen, kann wie folgt vorgegangen werden:
- Vor dem Flug: Das Basalinsulin wird reduziert. Die Verringerung richtet sich danach, wie viele Stunden der Tag kürzer wird.
- Faustregel: Die Basalinsulin-Dosis wird vor dem Abflug proportional zur Tagesverkürzung, und zwar pro Stunde um einen 24tel der Tagesdosis, reduziert.
Bei einem Flug von der Schweiz nach Vietnam reist man in eine Zeitzone, die sechs Stunden entfernt Richtung Osten liegt. Spritzt eine Person zum Beispiel 20 Einheiten Basalinsulin, rechnet man: 20 : 24 × 6 = 5 Einheiten. Statt 20 Einheiten benötigt man folglich am Reisetag oder am Vorabend des Reisetages nach Vietnam nur 15 Einheiten an Basalinsulin.
Zeitzonenwechsel und Jetlag – das Wichtigste auf einen Blick
Wer fünf oder mehr Zeitzonen überfliegt, braucht im Normalfall einige Tage, um sich an den neuen Tagesrhythmus zu gewöhnen. Je mehr Zonen wir überflogen haben, also je grösser der Zeitunterschied zwischen Startpunkt und Reiseziel, desto länger brauchen wir, um uns an die neue Zeitzone zu gewöhnen.
Anpassungszeit
- Je mehr Zeitzonen, desto länger dauert die Umstellung
- Nach Osten: ca. 1 Tag pro 2 Stunden Zeitverschiebung
- Nach Westen: Anpassung meist schneller (etwa halb so lang)
- Bei Kurztrips (< 4 Tage) lohnt sich keine komplette Umstellung
Vorbereitung
- Westen: 2–3 Tage vorher 1–2 Stunden später schlafen gehen
- Osten: 2–3 Tage vorher 1–2 Stunden früher schlafen gehen
Im Flugzeug
- Westen: wach bleiben, bewegen, viel trinken, protein- reiche Snacks
- Osten: Schlaf fördern (Augenmaske, Ohrstöpsel), kohlenhydratreiche Kost
- Alkohol und Koffein meiden, viel Wasser trinken
Nach Ankunft
- Licht nutzen: • Osten: morgens helles Licht • Westen: abends helles Licht
- Kurzes Nickerchen erlaubt (< 30 Min.), aber kein langer Tagschlaf
Diabetestherapie mit Tabletten Westen = Tag wird länger = Bedarf steigt Basalinsulin erhöhen oder zusätzlich kurz- wirksames Insulin alle 4 Stunden Osten: Tag wird kürzer = Bedarf sinkt Basalinsulin reduzieren (Faustregel: pro Stunde 1/24 weniger) Weniger Bewegung bei einem Langstreckenflug ändert unabhängig von der Richtung der Reise möglicherweise den Insulinbedarf und die Insulinempfindlichkeit. Für alle Methoden und Diabetestypen gilt es, in den ersten Ferientagen den Glukosewert ganz besonders aufmerksam im Blick zu behalten und lieber häufiger einen aktuellen Wert im Blut zu messen!Zeitumstellung und Insulinbedarf
Gut zu Wissen
So können Sie Ihre Ferien entspannt geniessen:
- Besprechen Sie mit Ihrem Diabetesteam, ob und wie Sie die Medikation bei mehr als vier Stunden Zeitverschiebung anpassen.
- Am Ferienziel angekommen, nehmen Sie die Tabletten wie gewohnt ein. Wenn das zuhause am Morgen ist, nehmen Sie sie auch am Ferienziel am Morgen ein.
- Fehleinnahmen vermeiden: Holen Sie vergessene Tabletteneinnahmen schnellstmöglich nach, falls der nächste Einnahmetermin noch weit entfernt ist.
- SGLT-2-Inhibitoren: diuretischer Effekt beachten, zum Beispiel häufigere Toilettenpausen einplanen.
Insulinpumpe und Zeitzonen – so klappt der Wechsel
Für Menschen mit einer Insulinpumpe gibt es eine praktische Methode, um sich direkt an die neue Zeit anzupassen: Stellen Sie unterwegs im Flugzeug alle zwei Stunden die Uhrzeit auf Ihrer Pumpe ein Stück näher an die Zeit im Zielland. So erreichen Sie Schritt für Schritt die richtige Uhrzeit und steigen am Ziel bereits im «Ferienmodus» aus. Wenn Sie eine Insulin pumpe zusammen mit einem kontinuierlichen Glukosemesssystem im sogenannten Closed-Loop-Modus nutzen, können Sie Ihr Smartphone während des Fluges in den Flugmodus schalten. Nach der Landung schalten Sie den Flugmodus einfach wieder aus. Die Zeitumstellung hat dabei kaum Einfluss, weil die Insulinabgabe automatisch durch den Algorithmus nach Ihren Glukosewerten gesteuert wird.

