Ich war im diabetischen Koma. Mein Hba1c-Wert liegt bei über  8 %. Beim Sport sinkt mein Zucker manchmal auf 2, esse ich eine Pizza, steigt er auf 20. Auch meine Katheter sitzen nicht immer wie gewünscht und verursachen schlaflose, schweiss­getriebene und von Übelkeit dominierte Nächte. Ich bin keine Vorzeige-Diabetikerin. Es gibt Tage, an denen ich mich um meine gesundheitliche Zukunft sorge. Es gibt Tage, an denen ich mich selbst verrückt mache. Was, wenn der Spätfolgen-Albtraum zur Wirklichkeit wird? Was, wenn ich eines Tages nicht mehr gehen oder nicht mehr sehen kann? Und was, wenn «eines Tages» plötzlich zum Jetzt wird und keine Zeit mehr bleibt, alles in den Griff zu bekommen?
Es gibt aber auch Tage, an denen ich meine Krankheit zwar ernst nehme, mich selbst aber dafür ein bisschen weniger. Tage, an denen keine Fragen in meinem Kopf herumschwirren, sondern Antworten. Ich fühle mich dann gut, optimistisch und voller Lebensmut. An diesen Tagen setze ich mich jeweils an meinen Schreibtisch und forme meine Gedanken zu einer Kolumne fürs «d-journal». Manche nennen es Schönrederei.
Ich glaube aber, dass uns die dunklen Situationen im Leben ­einer Diabetikerin oder eines Diabetikers bereits bestens bekannt sind. Was in solchen Situationen hilft, ist Verständnis und Zusammenhalt. Diese Dinge wollte ich während der vergangenen vier Jahre mit meiner Kolumne fördern.
Es sind Momente, die wir alle kennen: ein unverständlich hoher Blutzucker, der selbst durch absurde Mengen Insulin nicht sinken will, eine Unterzuckerung vor einer Prüfung, einem Meeting oder einem anderen wichtigen Termin oder der fehlende Platz im Urlaubskoffer aufgrund der Katheter, Ersatz-Geräte und Notfallspritzen. Liebe Leserinnen und Leser meiner Kolumne, ich schrieb nie, um Ihnen eine Meinung, ein Verhalten oder eine Einstellung aufzudrängen. Ich bin eine von Ihnen, hatte immer den Wunsch, mit meinen Texten ein zustimmendes Lächeln in Ihr Gesicht zaubern zu können und hoffe, dass mir dies auch gelungen ist. Diese Kolumne bereitete mir viel Freude, doch, wie eine altbekannte Floskel besagt, sollte man aufhören, wenn es am Schönsten ist. Auch für mich ist es nun an der Zeit, neue Wege zu gehen, und ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft nur das Beste. Bleiben Sie positiv und «gesund»!

Autor: Svenja Rimle