Portrait Svenja Rimle

Diabetiker zu sein, ist nicht immer leicht. Es gibt Tage, an denen einfach alles schiefläuft und man keine Ahnung hat, woran es liegt. Frust, Wut und Ratlosigkeit sind im Alltag mit Diabetes keine Seltenheit. In solchen Situationen hilft es zu wissen, dass man nicht allein ist. Die meisten Diabetiker kennen auch andere Betroffene, mit denen sie sich austauschen können. Ich zum Beispiel habe einen jüngeren Bruder, der wie ich Typ-1-Diabetiker ist. Regelmässig vergleichen wir unsere Blutzucker-Werte, helfen uns gegenseitig bei Unklarheiten oder ärgern uns zusammen über unser kleines Handicap. Wer kennt es nicht? Man lernt jemanden kennen, der auch Diabetiker ist und man fühlt sofort eine seltsame Verbundenheit mit dieser Person. Man ist sich einfach sympathisch, nur aufgrund der gemeinsamen Erkrankung. Diabetiker halten zusammen. Ich merke das, wenn ich in Internet-Foren oder Facebook-Gruppen nach Inspiration für meine Kolumnen suche. Jemand postet eine Frage? Sofort kommen Antworten. Jemand beschreibt seine Gefühlslage? Sofort kommen empathische Reaktionen. Jemand postet stolz seinen aktuellen HbA1c-Wert? Sofort kommen Gratulationen. Man verurteilt niemanden, man zeigt Verständnis. Es ist kein Wettbewerb, wer die besten Blutzuckerwerte hat oder wer am wenigsten Insulin benötigt. Diabetiker unterstützen und motivieren sich untereinander und man lacht gemeinsam über unangenehme Momente. Genauso sollte es sein. Nicht nur in der Diabetiker-Bubble, sondern im Umgang mit den Menschen auf der ganzen Welt.

Autor: Svenja Rimle