Portrait Svenja Rimle

«Weiss nicht, ob ich als Typ-1-Diabetiker einen Schwerbehindertenausweis beantragen soll. Hat jemand Erfahrungen?», lese ich an der Pinnwand der Typ-1-Dia­betes-Facebookgruppe. Und ich lese den Satz noch ein zweites und ein drittes Mal, da ich sichergehen musste, mich nicht verlesen zu haben. Was zum …?
Noch nie in meinem Leben habe ich bis zu diesem Zeitpunkt auch nur in Erwägung gezogen, mir diese Frage zu stellen. Klar, mein Diabetes ist wie ein kleiner Rucksack für mich, den ich immer mit mir herumtrage. Doch schwerbehindert habe ich mich bisher noch nie gefühlt.

Warum auch? Ich kann Sport treiben, ich kann arbeiten, ich kann reisen. Diesen Ausweis gibt es in Deutschland, darum betrifft mich das ja eigentlich gar nicht. Trotzdem denke ich darüber nach. Na ja, vielleicht könnte ich mit einem solchen Ausweis dann jeweils auf dem Behindertenparkplatz parken, das wäre tatsächlich ein Vorteil für mich. Im Internet lese ich dann aber, dass nicht jeder Diabetiker einen solchen Ausweis bekommen kann. Wenn der Antragsteller oft unter Unterzuckerungen leide, die ihn bei der Arbeit einschränken oder auch sein Hobby wegen der Krankheit nicht mehr ausführen könne, dann stehen die Chancen angeblich besser, einen solchen Ausweis zu erhalten. Doch würde sich das bei mir wirklich lohnen? Klar, wenn es um die Steuern geht, würde dieses Dokument tatsächlich einiges erleichtern. Bei Versicherungen und im Bewerbungsprozess kann der Schwerbehindertenausweis aber auch «behindern». Grundsätzlich rät das Internet eher älteren Menschen zu diesem Schritt. Nichtsdestotrotz würde ich diesen Antrag erst stellen, wenn ich mich von meinem Diabetes in meinem Leben auch wirklich gravierend eingeschränkt fühlen würde. Momentan ist das definitiv nicht der Fall, denn ich treibe Sport, ich arbeite und ich reise.

Autor: Svenja Rimle