Geoffrey Katz und Kevin Brady verändern ihre Gewohnheiten, gewinnen Vitalität und verlieren mehrere Kleidergrössen. Sie erleben, wie Gewichtskontrolle und -abnahme mit Sport, ausgewogener Ernährung und Freiwilligenarbeit für den Verein «diabète genève» Spass macht und neue Freiheit schenkt.

 

Gemeinsam anpacken

Für Geoffrey Katz (77) und Kevin Brady (68) zählen Bewegung und gesunde Ernährung zu den unverzichtbaren medizinischen Empfehlungen für die Gewichtsreduktion. Beide nahmen am Rehabilitationsprogramm DIAfit für Personen mit Typ-2-Diabetes teil, danach schlossen sie sich der Nordic-Walking-Gruppe von «diabète genève» am Samstagmorgen an und trafen sich in den Bains de Cressy zum Aquafit. Nachdem Geoffrey am Universitätsspital Genf (HUG) an einer Diabeteswoche der Abteilung für therapeutische Patientenschulung teilgenommen hatte, entschied er sich, seine Gesundheit wieder in die Hand zu nehmen. Er stellte fest: «Es klappt nur, wenn ich mich einer Gruppe anschliesse.» Letztes Jahr bereiteten sich die beiden Nordic Walker mit einem Coach auf den Genfer Volkslauf (Course de l’Escalade) vor und schafften die 9 km in 2 Stunden. Bis zur Diabetesdiagnose litten Geoffrey und Kevin während mehr als zehn Jahren an Prädiabetes, ohne es zu wissen. Der Verein «diabète genève» stellte den Kontakt zwischen den beiden her. Ihre Gemeinsamkeiten? Sie blicken auf eine temporeiche internationale Karriere zurück. Kevins Diabetes wurde 2016 diagnostiziert, wobei ein Zusammenhang mit dem Stress seiner Selbstständigkeit bestand.

Essen: zwischen Umstellung und Genuss

Die Haltung zum Essen hat sich radikal verändert. Doch Geoffrey zählt keine Kalorien. Er setzt auf Wasser, Früchte wie Äpfel und Kiwis, wählt kohlenhydratarme Gerichte und spart sich das Glas Wein für die besonderen Anlässe auf. Ergebnis: Sein Gewicht hat sich bei 82 kg stabilisiert, nachdem er 22 kg abgenommen hat. Kevin folgt den Empfehlungen von Robert Lustig (metabolical.com) und Jessie Inchauspé (GlucoseGoddess.com), beides Fachleute für Blutzuckermanagement. Morgens vermeidet er Zucker auf nüchternen Magen, mittags und abends isst er zuerst Gemüse und Proteine, danach die stärkehaltigen Lebensmittel. Er geniesst ein herzhaftes Frühstück ohne süsse Zutaten und verzichtet auf alle zuckerhaltigen Getränke wie Orangensaft. 2010 wog er 117 kg, ab 2018 konnte er sein Gewicht während vier Jahren bei 100 kg halten. Und bis 2025 erreichte er 83 kg. Insgesamt nahm er in zehn Jahren 34 kg ab! Und so kann er heute mühelos bei «Biodanza» (biodanza.ch) mithalten, einem Gruppentanz aus Südamerika. «Die Gruppendynamik wirkt sich erheblich auf den Blutzucker aus.» Geoffrey und Kevin stellen fest, dass ihnen die Gewichtskontrolle jugendliche Frische verleiht. Kevin ist für kurze Strecken immer mit dem E-Bike unterwegs. Er hat schrittweise Gewicht verloren, beobachtet diese Entwicklungskurve auf dem Telefon und freut sich über jedes verschwundene Kilo. Beide haben einen guten Umgang mit Verlockungen gefunden. «Leben soll Freude machen», betont Geoffrey. Er meidet sowohl das Zuviel als auch den Verzicht und behält Augenmass und Flexibilität, um Mahlzeiten auch einmal anzupassen.

Medikation und Gewichtskontrolle

Geoffrey schätzt die Wirksamkeit der wöchentlich einzunehmenden Medikamente zur Unterstützung des Blutzuckermanagements und zur Appetitkontrolle. Dadurch kann er sich mit Smartphone, Waage und Smartwatch auf die Gewichtsveränderung und die Bewegung konzentrieren. «2018 hatte ich Kleidergrösse 44, heute 38!»

Abnehmen, aktiv werden

Die Kilos verschwinden langsam, aber mit nachhaltiger Wirkung. Denn Abnehmen bringt Energie zurück, und das zahlt sich aus: Man rennt auf den Bus, ohne ausser Atem zu kommen, spielt mit den Grosskindern, ohne an seine Grenzen zu stossen. Geoffrey ist heute viel mit den Enkeln in Bewegung, zum Beispiel, wenn sie gemeinsam die Wasserbahnen hinuntersausen. Kevins Diabetologe staunt: «Was ist Ihr Geheimnis? Wie haben Sie es geschafft, so viele Kilos zu verlieren?» Kevin sieht, wie erleichtert seine Kinder und die Grosskinder sind, wie sie sich freuen. Beide Männer stellen fest, dass die äusserlichen Veränderungen und die wieder gewonnene Vitalität nicht unbemerkt bleiben.

Das neue «Formgewicht» halten

Für Geoffrey wurden die veränderten Gewohnheiten schnell normal. Aktiv sein schenkt Befriedigung, etwa die Organisation von Ausflügen mit «diabète genève» oder die Teilnahme an Früherkennungskampagnen in Einkaufszentren. Solche Projekte tragen neben der ausgewogenen Ernährung und der Medikation dazu bei, dass Geoffrey sein Formgewicht halten kann. Für Kevin ist Routine ein Muss, und die Bewegung schenkt Zufriedenheit. «Je mehr Gewicht Sie verlieren, desto leichter wird es, weiter abzunehmen. Unsere Angehörigen nehmen uns anders wahr, und man vergisst die Krankheit.» Abnehmen macht mehr als eine schlankere Figur: Kevin und Geoffrey wissen, dass es auch um ein besseres Selbstbewusstsein geht, um Bewegung ohne Schmerzen und um Freude, das Erlebte mit anderen zu teilen. Ihre Erfahrungen verdeutlichen, dass es nicht um Perfektion geht. Was zählt: einen Anfang finden, sich auf das Thema einlassen und dranbleiben.

AutorIn: Laurent Cocoual