Grundsätzlich ist auch ein längerer Auslandsaufenthalt für Personen mit Diabetes sehr gut machbar. Mit der richtigen Planung gelingt der Wechsel ohne Probleme.

Ist ein längerer Auslandsaufenthalt geplant, lohnt es sich, frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Idealerweise setzt man sich einige Monate vor Reiseantritt mit der Diabetologin oder dem Diabetologen und der Diabetesfachberatung in Verbindung. Der Nachschub an Insulin, Medikamenten, Glukosesensoren und Pumpenmaterialien ist einer der zentralen Punkte, der gut vorbereitet werden muss, da in der Regel die nötigen Mengen nicht im Reisegepäck mitgeführt werden können. Dazu gehört auch, die Verfügbarkeit der Insuline im Zielland zu überprüfen. Ist ein Insulin nicht erhältlich, empfiehlt sich die Umstellung auf ein ähnliches Präparat bereits vor Reiseantritt. Es sollte abgeklärt werden, wie Insulin und Medikamente in ausländischen Apotheken bezogen werden können. Gute Dienste leistet ein Rezept, das neben dem Namen der Medikamente bzw. der Insuline auch den sogenannten «generic name», also den chemischen Wirkstoff, und die Dosierung aufführt.

Informieren Sie sich im Vorfeld

Die gebräuchlichen Glukosesensoren sind in der Regel in weiten Teilen der Welt erhältlich und funktionieren uneingeschränkt mit der jeweiligen App oder dem Lesegerät. Sollte Letzteres jedoch kaputt gehen, gilt es zu beachten, dass hinsichtlich Verfügbarkeit und Einstellungen (Masseinheiten mg/dl bzw. mmol/l) regionale Unterschiede bestehen. Das Mitführen eines kapillären Blutzuckermessgerätes ist unbedingt zu empfehlen. Insulinpumpensysteme benötigen einen regelmässigen Nachschub. Auch hier ist es wichtig zu wissen, wie die Versorgung am Aufenthaltsort sichergestellt wird. Zu prüfen ist die Option, dass Besuche aus der Schweiz, Verbrauchsmaterial mitbringen. Dazu sollte aber den entsprechenden Personen eine Bescheinigung mitgegeben werden, damit am Zoll keine Probleme entstehen. Ist die Versorgung mit Pumpenmaterialien im Ausland schwierig, kann ein Wechsel auf ein Mehrspritzenschema (Basis-/ Bolus-Therapie) Sinn machen.

Backup für alle Fälle

Wird eine medizinische Behandlung nötig, ist es gut, wenn man sich bereits vorgängig die nötigen Informationen beschafft hat: Dazu gehören Standorte von Gesundheitseinrichtungen wie Spitälern, Arztpraxen und Apotheken, aber auch die Abklärung des Versicherungsschutzes im Falle einer ambulanten/ stationären Behandlung bzw. im Falle eines Rücktransportes. Da ein Auslandsaufenthalt aus verschiedenen Gründen – und gerade auch am Anfang – etwas «Unruhe» in den Diabetes bringen kann, lohnt es sich, mit der Diabetologin oder dem Diabetologen die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme abzuklären. Wir handhaben das mit dem Angebot, niederschwellig per Telefon oder E-Mail zu kommunizieren. Videokonsultationen über unser geschütztes Klinikinformationssystem sind dank online verfügbarer Glukose- und Pumpendaten eine sehr gute Möglichkeit, Personen mit längeren Auslandsaufenthalten diabetologisch unkompliziert weiter zu betreuen. Das Wissen, dass ein fachärztliches Backup für den Fall der Fälle besteht, ist für die Reisenden und auch für die Angehörigen ein zentraler und Sicherheit vermittelnder Faktor

AutorIn: PD Dr. med. Stefan Fischli