Löwenzahn

… ist ein altes deutsches Sprichwort; und ebenso alt ist die Erfahrung, dass ein «Appenzeller Alpenbitter» oder ein «Kräuterschnaps» hilft, wenn man zu reichlich gegessen hat.
Für heilsame Bitterstoffe gibt es einen eigenen medizinischen Terminus: «Amara remedia». Dazu gehören z. B. gelber Enzianwurzel, Wermut, Hopfen, Chinarinde, Kräuter wie Tausendgüldenkraut, Bitterklee, Löffelkraut, Rosskastanie, Myrrhe.

Das Wort bitter ist verwandt mit beissen; Bitteres ist demnach beissend scharf. Doch milde Bitterstoffe sollen bei Verstopfung, Leber- und Gallenleiden, auch bei Entzündungen und Gicht günstig wirken.
Angenehme und also günstige Bitterstoffe enthalten z. B. die Gemüse Chicorée, Endivie, Ruccola, Artischocken, Lattich, Radicchio, Kardy, Cima di Rapa oder Früchte wie Grapefruit, Pomelo; auch Bitter-Orangen. Diese letzteren sind allerdings frisch ungeniessbar; aber sehr fein in Form von Bitter-Orangen-Marmelade.
Und jetzt eben zurzeit hat frischer Löwenzahn Saison. Seine Blätter enthalten köstliche Bitterstoffe und können als Zugabe zum Frühlingssalat in Garten und Wiesen einfach gesammelt werden.
Doch dass nicht alles, was bitter ist, auch gut bekommt, belegen Redewendungen wie «man hat etwas bitternötig» oder «es ist einer bitterböse»; und es ist traurig, dass es immer wieder «bitteres Leid, bittere Tränen und bitteren Ernst» gibt.
Denn Bitteres kann auch schädlich, sogar giftig sein: Meiden Sie Bittermandeln, die das giftige Amygdalin enthalten. Seien Sie vorsichtig mit Pilzen: es gibt etliche giftige, bittere Pilze (Fliegenpilz, Röhrling); meiden Sie ganz allgemein unbekannte bittere Kräuter.
Als ich diese Zeilen schrieb, war es draussen bitterkalt; doch bis Sie sie lesen, ist es frühlingshaft mild und blühen hoffentlich Krokus und Hasenglöckchen, die Sie aber bitte auch nicht in Ihren Frühlingssalat mischen.

Autor: Myrtha Frick