HbA1c-Schriftzug mit BZ-Messung im Hintergrund

Gehört: «Mein Hausarzt hat mir gesagt, dass Spätfolgen des Diabetes wesentlich seltener seien bei gutem Blutzucker und gutem HbA1c. Stimmt diese Aussage eigentlich? Oder sagen die Ärzte dies mehr, um uns zu motivieren, auf den Diabetes aufzupassen?» fragt der 52-jährige Herr O., Typ-2-Diabetiker, und skeptisch, eine Behandlung mit Insulin zu beginnen.

Geantwortet: Ich verstehe Ihre Frage gut. Bezogen auf die Schweiz muss ich Ihnen mitteilen, dass es keine genauen Zahlen gibt über die Häufigkeit von diabetischen Folgeschäden, weder in Bezug auf die aktuelle Situation noch über die vergangenen Jahre. Haben die Probleme zu- oder abgenommen? Die Schweiz ist bezüglich Gesundheits- bzw. Krankheitsstatistiken ohnehin kein vorbildliches Land. Zwar ist die Qualität der medizinischen Versorgung bei uns zweifellos hoch, konkrete Zahlen sind in unserem Gesundheitswesen indes Mangelware. Selbstverständlich dürfen wir aber davon ausgehen, dass in anderen Ländern mit ähnlichem Lebensstandard erhobene Daten auch etwa für uns gelten. Und kürzlich in den USA veröffentlichte Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Ja, eine bessere Diabetesbetreuung führt zu einem deutlichen Rückgang der diabetischen Spätschäden.
Folgende Zahlen mögen Sie interessieren:
In der Zeit zwischen 1990 und 2010 hat in den USA die Zahl der Menschen mit Diabetes von 6,5 auf 20,7 Millionen zugenommen, d. h. 8 – 9 % der amerikanischen Bevölkerung hat Diabetes. In diesen zwei Jahrzehnten hat die Zahl diabetesbedingter Folgeschäden aber deutlich abgenommen. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, reduzierte sich um satte 68 % ! Die Zahl der Todesfälle durch eine ernsthafte Entgleisung des Diabetes («Koma») ging um 64 % zurück. Hirnschläge wurden um 52 % seltener, Amputationen um 51 %. Auch das Risiko für ein Nierenversagen ist um fast ein Drittel zurückgegangen.
Diese Resultate sind sehr eindrücklich. In Ihrem Fall betreffen sie aber ausschliesslich die (ferne) Zukunft, da Sie erfreulicherweise ja noch keine Folgeschäden haben. Es ist mir deshalb ein Anliegen anzumerken, dass sich eine gute, stabile Stoffwechselkontrolle auch auf die aktuelle Lebensqualität günstig auswirkt. Diabetesbetroffene mit anhaltend hohen oder stark schwankenden Blutzuckerwerten sind in ihrem Wohlbefinden oft beeinträchtigt. Ich denke, es lohnt sich, auf den Diabetes zu achten!

Autor: Dr. med. K. Scheidegger