Vorbeugung von Dickdarmkrebs bei Diabetes Typ 2 besonders wichtig


Abb. 1: Ansicht der Dickdarmschleimhaut bei der Darmspiegelung.
Oben: gesunde Schleimhaut
Unten: polypöse Wucherung

Dickdarmkrebs im Vormarsch Jährlich erkranken mehr Menschen in der Schweiz an Dickdarmkrebs. Zurzeit sind es über 3800 pro Jahr. Bei den Frauen ist dieser Tumor jetzt die zweithäufigste Krebsart (nach dem Brustkrebs), bei den Männern die dritthäufigste (nach dem Lungen- und ganz knapp noch hinter dem Prostatakrebs). Diese Tatsache ist alarmierend, denn die Entstehung von Darmkrebs könnte verhindert werden.

Dickdarmkrebs entsteht langsam
Kein Krebs entwickelt sich so langsam wie der Darmkrebs, das heisst, es müsste gar nicht so weit kommen. Er beginnt harmlos aus einem Polypen. Darunter versteht man eine winzige Schleimhautwucherung in der Darmwand (Abb. 1). Diese kann sich im besten Fall sogar von alleine zurückbilden. Bis aus dem anfänglich harmlosen Polypen eine grosse Geschwulst und daraus ein bösartiger Krebs wird, vergeht eine lange Zeit (Abb. 2). Nicht jeder Polyp entwickelt sich zum Krebs, doch das Risiko dafür steigt ab dem 50. Lebensjahr. Deshalb empfehlen Experten nach 50 eine entsprechende Untersuchung, um sicherzugehen. Ist der ganze Dickdarm bei dieser Darmspiegelung (Koloskopie) frei von Polypen, muss die Untersuchung frühestens nach zehn Jahren wiederholt werden. Werden aber ein oder mehrere Polypen festgestellt, können diese in der gleichen Untersuchung entfernt werden, womit das Krebsrisiko fast auf Null sinkt. Je nach mikroskopischem Befund der Polypen sind in der Folge eng- oder weitmaschige Kontrollen angezeigt.

Risikofaktoren für Dickdarmkrebs
Neben dem steigenden Lebensalter gibt es weitere Risikofaktoren. Wer häufig rotes Fleisch (Rind, Schwein) oder gegrilltes Fleisch konsumiert, an Übergewicht leidet, sich wenig bewegt, raucht oder Alkohol trinkt, ist stärker gefährdet. Anderseits senkt eine ballaststoffreiche Ernährung – vor allem die Einnahme von viel Rohkost und Kohlgemüse (insbesondere Broccoli und Sauerkraut) – das Risiko.
In wenigen Fällen ist der Dickdarmkrebs auch vererbt. In solchen Familien liegt das Krebsrisiko bei 50%. Die Betroffenen müssen sich jedes Jahr einer Darmspiegelung unterziehen.

Neue Erkenntnis – Diabetes Typ 2, ein Risikofaktor
In einer amerikanischen Studie wurde ein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs bei von Diabetes-Typ-2-Betroffenen festgestellt. Es wurden die Befunde der Dickdarmspiegelung bei 100 Typ-2-Diabetikerinnen und 500 Frauen ohne Diabetes verglichen. Bei den Diabetikerinnen wurden 37% Polypen gegenüber 24% bei der Kontrollgruppe gefunden. Adipöse Diabetikerinnen waren besonders häufig betroffen. Von diesen Polypen waren in der Diabetesgruppe 14% sog. dysplastische Adenome gegenüber 6% bei der Kontrollgruppe. Dysplastische Adenome sind unmittelbare Vorläufer von Dickdarmkrebs (Stadium 4 in Abb. 2). Ihr Nachweis macht regelmässige weitere Kontrollspiegelungen notwendig.

Hypothese
Die amerikanische Arbeitsgruppe vermutet, dass die Insulinresistenz (IR) beim Typ-2-Diabetes für das erhöhte Dickdarm-krebs-Risiko verantwortlich ist. IR führt zur vermehrten Produktion von IGF1, einem insulinähnlichen Wachstumsfaktor, der auch mit Tumorwachstum in Verbindung gebracht wird. Neuen Erkenntnissen zufolge stellt auch die koronare Herzkrankheit (KHK) ein erhöhtes Dickdarmkrebs-Risiko dar. Da von Typ-2-Diabetes-Betroffene gehäuft unter KHK leiden, könnte dies ein weiterer Grund sein.

1. So sieht die Darmwand in gesundem Zustand aus.

2. Erste Anzeichen einer
Veränderung.
Ein Polyp entsteht.

3. Ein kleiner Polyp ist entstanden. Noch ist die Zellveränderung ungefährlich.

4. Der zuvor kleine Polyp ist gewachsen und beginnt zu wuchern.

5. Darmkrebs. 95% der Darmkarzinome entstehen aus solchen Polypen.

Abb. 2: Entwicklungsstadien vom Dickdarm-Polypen zum Darmkrebs.

Dr. med. Rolf Bucher

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