«Softdrinks»: Süsse Getränke – bitterer Nachgeschmack

Die älteren unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser des «D-Journals» mögen sich noch daran erinnern: Als Höhepunkt des Spaziergangs am Sonntagnachmittag durfte die Familie einkehren und es gab ein süsses Getränk, z. B. ein Vivi-Cola oder ein Weissenburger-Citro. Während der Woche trank man selbstverständlich Wasser.

Manchmal wurde der Flüssigkeitsbedarf auch mit einer der Mahlzeit vorausgehenden Suppe allein gedeckt. Diese Zeiten sind längst vorbei. Seit vielen Jahren wird uns beständig und mit Nachdruck gepredigt, mehr zu trinken, literweise, unserer Gesundheit zu liebe. Und bei so viel Flüssigkeit tun wir uns dann oft schwer, immer nur Wasser zu trinken, insbesondere wenn wir eigentlich gar keinen Durst haben. Süssgetränke sind deshalb zunehmend beliebter geworden. Ihr Konsum hat sich in nur 25 Jahren etwa verdreifacht. Süssgetränke unterscheiden sich zwar im Aroma. Ihr hauptsächlicher Inhaltsstoff ist indes immer der gleiche: Zucker, heute oft in Form von Fruktose. Es erstaunt deshalb nicht, dass ihr Konsum schon früh in Verbindung gebracht wurde mit Übergewicht und dem Auftreten von Diabetes. Eine Gruppe von Ärzten in den USA – dem Land mit dem weltweit höchsten Konsum von Softdrinks – hat nun untersucht, ob das mässige Trinken süsser Getränke sich bereits ungünstig auf die Gesundheit auswirken könnte. Die Forscher untersuchten die Trinkgewohnheiten von rund 6 000 Leuten mittleren Alters und deren allfälligen Einfluss auf die Entwicklung von Übergewicht und Diabetes. Das Ergebnis ihrer Studie war in zweifacher Hinsicht bemerkenswert:

  • 1. Bereits der Konsum von einem Softdrink (ca. 3,4 dl) pro Tag oder mehr verdoppelte die Wahrscheinlichkeit, an einem metabolischen Syndrom zu erkranken (siehe Tabelle). Der regelmässige Genuss der Süssgetränke wirkte sich also auch ungünstig aus auf den Blutdruck und den Fettstoffwechsel.
  • 2. Eher unerwartet stellten die Forscher fest, dass auch das regelmässige Trinken künstlich gesüsster Getränke irgendwie zusammenhing mit dem gehäuften Auftreten des metabolischen Syndroms.

Diese Feststellung bedarf selbstverständlich einer Erklärung, finden sich in den Softdrinks mit Zuckerersatz doch weder Kalorien noch Zucker. Wie die Autoren dieser Studien, können wir bisher nur darüber spekulieren. Es ist wenig wahrscheinlich, dass künstliche Süssstoffe sich direkt negativ auswirken können auf den Stoffwechsel. Es gibt indes Hinweise darauf, dass der regelmässige Konsum von Süssgetränken – ob in «normaler» oder in «Diät»-Form – hinweisen könnte auf eine allgemein ungesündere Lebensweise: Erhöhter Konsum von gesättigten Fetten und Transfetten, verminderter Genuss von Frischprodukten und Fasern sowie geringe körperliche Aktivität. Es wäre zudem möglich, dass der tägliche Kontakt mit süssem Geschmack, die Ernährungsgewohnheiten allgemein ungünstig beeinflussen könnte. Schliesslich wird darüber diskutiert, ob das Caramel, welches sowohl in gewöhnlichen wie auch in Diät-Getränken vorkommt, das Auftreten einer Insulinresistenz begünstigt. Es könnte auch einen direkt negativen Einfluss auf die Gefässwände haben.
Überlassen wir es den Wissenschaftern, die möglichen Zusammenhänge zwischen dem regelmässigen Konsum von Softdrinks – auch kalorienfreien – und dem Auftreten eines metabolischen Syndroms noch genauer zu erhellen. Konsequenzen aus den Resultaten dieser Studie können wir schon heute ziehen: Es wäre wünschenswert und der Gesundheit förderlich, unsere Trinkgewohnheiten wieder den «altertümlichen» unserer Eltern anzunähern: Softdrink zum Versüssen des Sonntags – unter der Woche aber gibt’s Wasser! Und unsere Kinder und Enkel sollten wir sanft dahingehend beeinflussen, dass ein Glas Wasser nach einem aktiven Spiel im Freien ebenso viel Lebensqualität bedeuten kann wie ein Softdrink während eines Computerspiels.

Dr. med. K. Scheidegger

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