Gesunde Zähne trotz Medikamenten

Zahlreiche Medikamente können Mundtrockenheit verursachen. Da Speichel den besten Schutz vor Zahnkrankheiten bietet, werden Zahnfleisch und Zähne bei seinem Fehlen viel anfälliger für Infektionen und Karies. Daher muss bei Mundtrockenheit die Zahnpflege intensiviert werden, um solche Schäden zu vermeiden. Auch störende Zahnverfärbungen sind gelegentlich Folgen eingenommener oder lokal angewendeter Arzneimittel oder Spül­lösungen.

Mundtrockenheit ist verbreitet

Das unangenehme Gefühl der Mundtrockenheit ist laut Studien jeder vierten Person in der Schweiz aus eigenen Erfahrungen bekannt. Es tritt auf, sobald der Speichelfluss auf die Hälfte der Norm reduziert ist. Dann schmeckt das Essen nicht mehr richtig, die Zunge kann am Gaumen kleben bleiben, auch das Sprechen bereitet Mühe. Ältere Menschen sind davon besonders häufig betroffen. Doch die wenigsten wissen Bescheid über die ungünstigen Auswirkungen des Speichelmangels und unternehmen daher wenig dagegen.

Der Schutzeffekt des Speichels

Der Speichel erfüllt verschiedene wichtige Aufgaben. So spaltet er bereits im Mund Stärke aus dem Nahrungsbrei und bereitet ihn so für die weitere Verdauung vor. Im Weiteren schützt der Speichel die Zähne und die Mundschleimhaut. Ist nicht genügend vorhanden oder die Zusammensetzung verändert, können Störungen des Geschmacksinns und Probleme beim Kauen, Schlucken und Sprechen auftreten. Auch Mundgeruch und Zungenbrennen sind unangenehme Begleiterscheinungen. Lingualtabletten lösen sich bei Speichelmangel schlecht auf und können nicht angewendet werden.  Das Zahnfleisch verliert seine Widerstandsfähigkeit und neigt zu Verletzungen und Infektionen. Die Zähne selber werden sehr anfällig für Karies. Betroffene nehmen solche Zahnprobleme oft erst wahr, wenn sich der Zustand der Zähne massiv verschlechtert hat und Zahnschmerzen auftreten.

Ursachen der Mundtrockenheit

Mit zunehmendem Alter nimmt die Speichelproduktion ab. Etwa 40% der Senior/-innen produzieren zu wenig Speichel. Rauchen, Alkoholkonsum und stark gewürzte Speisen können die Speichelproduktion ebenfalls reduzieren. Doch weitaus am häufigsten ist die Mundtrockenheit eine Medikamentennebenwirkung.

Medikamentennebenwirkung

Viele von uns haben schon nach der Einnahme von Medikamenten gegen Reisekrankheit, Verdauungsstörungen oder einen Schnupfen eine unangenehme Austrocknung des Mundes bemerkt. Da solche Mittel in der Regel nicht über einen langen Zeitraum eingenommen werden, ist das Risiko  von Zahn- oder Zahnfleischproblemen gering. Gefährdet sind jedoch Menschen, die über eine lange Zeitspanne auf Medikamente angewiesen sind. Die Liste der Tabletten und Arzneimittel, die Mundtrockenheit verursachen können, ist lang und umfasst eine Vielfalt von Medikamenten. Besonders bekannt sind Psychopharmaka, aber auch Asthma- und Allergiemittel sowie Medikamente gegen hohen Blutdruck, Herzkrankheiten und Krebs können den Speichelfluss stark hemmen.

Vorbeugen durch Mundhygiene

Nur mit einer umfassenden Mundhygiene lässt sich verhindern, dass der fehlende Schutz des Speichels zu starker Karies und zu Zahnschäden führt. Wichtig ist, dass den Zähnen genügend Fluoride zugeführt werden, da diese den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säure machen. In der Praxis heisst dies: Die Zähne frühestens 20 Minuten nach jeder Mahlzeit mit einer fluoridhaltigen Zahnpas­ta putzen, die Zwischenräume zusätzlich – je nach Zahnabstand – mit Zahnseide, Zahnhölzern oder Interdentalbürsten reinigen.

Regelmässige Kontrollen

Wer unter Mundtrockenheit leidet, sollte alle drei bis vier Monate die Dentalhygienikerin oder den Zahnarzt aufsuchen. Nur sie können Probleme frühzeitig erkennen und entsprechende Ratschläge für die Zahnpflege geben, damit  Zahnschäden verhindert werden.

Weitere Massnahmen

Wichtig bei Mundtrockenheit ist, dass genügend Wasser getrunken wird und die Luftfeuchtigkeit in Räumen möglichst hoch gehalten wird.  Eine einfache Hilfe, um die Speichelproduktion anzuregen ist, einen Kaugummi zu kauen – selbstverständlich zuckerfrei und zahnschonend!
Falls dies nicht ausreicht, gibt es Speichel­ersatzprodukte in Form von Sprays oder Gels, die die Situation verbessern können. Wichtig ist, dass der verschreibende Arzt informiert wird. Dann kann eventuell ein Wechsel des Medikaments, das die Mundtrockenheit verur­sacht, vorgenommen werden.

Zahnverfärbungen

Jede Verfärbung von Zähnen oder des Zahnfleischs ist störend und führt die Betroffenen rasch zum Zahnarzt. Durch Medikamente verursachte oberflächliche Verfärbungen sind eher selten und normalerweise harmlos. Sie lassen sich durch intensive Zahnreinigung meist innert kurzer Zeit entfernen. So werden zum Beispiel vereinzelt Verfärbungen mit Chlorhexidinlösungen beobachtet. Dies ist besonders ärgerlich, da diese Spüllösungen meist zur Behandlung von Zahnfleischproblemen eingesetzt werden. Bekannt sind braune Verfärbungen der Zähne, wenn lange Zeit Eisenpräparate eingenommen werden. Vor allem bei jüngeren Kindern kommt es vereinzelt zu gelben Zähnen nach Antibiotikabehandlungen mit Suspensionen von Augmentin und Klacid/Klaciped. Diese Verfärbungen bestehen aus einem oberflächlichen Belag, der durch sulfidbildende Bakterien produziert wird.
Daneben gibt es irreversible Verfärbungen der Zähne durch Tetrazykline, welche mit Kalzium eine Chelatverbindung eingehen, die während der Mineralisationsphasen von Milchgebiss und bleibenden Zähnen definitiv eingelagert werden. Seit dies bekannt ist, ist die Behandlung mit Tetrazyklinen während der Schwangerschaft und bei Kindern bis zum 8. Lebensjahr kontraindiziert.

Der vorliegende Artikel basiert auf den Beiträgen «Gesunde Zähne trotz Medikamenten» von Dres. med. und Dr. med. dent. Catherine Weber und Edith Rateitschak, Basel, sowie Dr. med. Rolf Bucher, die wir in «d-journal» Nr. 140/99 abdruckten.
Sie wurden jetzt ergänzt nach dem heutigen Stand des Wissens von ­Andrea Merkel-Hoek, eidg. dipl. Apothekerin ETH/MPH.

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