Die Hausapotheke

Wann haben Sie zum letzten Mal Ihre Hausapotheke genau kontrolliert? Sind Sie für eine erste Hilfe­­leis­tung in Ihrer nächsten Umgebung ausgerüstet?

Genau wie Ihr Körper und Ihr Auto braucht auch Ihre Hausapotheke eine regelmässige und gründliche Pflege. Sie sichern sich damit für Notfälle ab und haben die nötigen Hilfen griffbereit. Welche Art von Hausapotheke Sie führen, hängt von ­Ihren Bedürfnissen und Erfahrungen ab. So braucht eine Einzelperson in der Stadt mit hoher Apothekendichte sicherlich einen kleineren Vorrat als eine Grossfamilie in einem abgelegenen Dorf.

Die Basis jeder Hausapotheke ist das Material zur Wundversorgung. Dazu gehören Desinfektionsmittel, Pflaster, elastische Binden, Gazen, Schere und Pinzette. Selbstverständlich darf auch ein Fieberthermometer nicht fehlen (aus Umweltschutzgründen bitte keine quecksilberhaltigen mehr verwenden). Genauso wichtig sind die persönlichen Medikamente, die regelmässig gebraucht werden (wie z.B. blutzuckersenkende Tabletten oder Teststreifen).
Diese Grundausstattung kann je nach persönlichen Bedürfnissen ergänzt werden. Die nebenstehende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick.
Bitte beachten Sie die folgende Punkte beim Zusammenstellen und Kontrollieren Ihrer Hausapotheke:    

Lagerung

  • Die Hausapotheke gehört an einen kühlen, trockenen Ort. Das Badezimmer und die Küche sind ungeeignet, da es dort meistens warm und feucht ist. Besser geeignet ist z.B. ein Kleiderschrank im Schlafzimmer.
  • Die Hausapotheke gehört ausserhalb der Reichweite von Kindern. Es besteht Verletzungs- und Vergiftungsgefahr, wenn Kinder mit Medikamenten, Verbandmaterial oder Instrumenten spielen oder sie verschlucken.
  • Die vollständige Hausapotheke sollte an einem gut zugänglichen und übersichtlichen Ort gelagert werden. Somit finden Sie im Notfall alles schnell und einfach.
  • Lagern Sie auch angebrochene Medikamente immer in der Originalverpackung. Sie können so ­jederzeit auch von aussenstehenden Personen eindeutig identifiziert werden.

Kontrolle
Kontrollieren Sie Ihre gelagerten Artikel jährlich auf Verfalldaten und Qualität. Verfalldaten sind offen, d.h. sie müssen auf allen Packungen klar bezeichnet sein. So heisst z.B. 10.12: Das Produkt darf bis zum Oktober 2012 gebraucht werden. Aus Sicherheitsgründen dürfen verfallene Artikel nicht mehr verwendet werden. Die Inhaltsstoffe können sich nach diesem Datum verändern, und der Hersteller gibt keine Garantie mehr. Die Verfalldaten werden von Swissmedic, der Kontrollstelle für Medikamente beim Bundesamt für Gesundheit BAG, vorgeschrieben.

Menge
Kaufen und lagern Sie nur die Menge Medikamente, die für Ihre Bedürfnisse vernünftig ist. Es hat keinen Sinn, eine Grosspackung eines Artikels zu lagern, den Sie bis zum Verfalldatum nicht aufbrauchen. Wenn Sie ein Medikament zum ersten Mal ausprobieren, sollten Sie unbedingt die kleinste Packung beziehen, da Sie nicht wissen, ob Sie das Produkt vertragen. Sie sparen damit unnötige Kosten auf allen Ebenen. Regelmässig werden sackweise alte Medikamente zurückgebracht. Beim Aussortieren stellt man immer wieder mit Schrecken und Erstaunen fest, dass von Grosspackungen oftmals nur wenige Tabletten eingenommen wurden.

Art von Medikamenten
Für die gleiche Art von gesundheitlichen Problemen gibt es verschiedene Arten von Therapien, z.B. die klassische Medizin, die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Homöopathie und die chinesische Medizin. Jedes dieser Gebiete umfasst ein grosses Wissen, und nicht jeder Arzt und Apotheker hat den gleichen Wissensstand auf allen Gebieten. So empfiehlt Ihnen ein Fachmann je nach Neigung das eine oder andere Medikament. Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich eine geeignete Vertrauensperson aussuchen und mit ihr über Ihre Bedürfnisse sprechen.

Interaktionen
Wenn Sie gleichzeitig mehrere Medikamente nehmen, kann es zu Wechselwirkungen im Körper kommen. Diese können von harmlos bis schwerwiegend verlaufen. Ein «einfaches Aspirin» kann mit Blutverdünnern zusammen zu starken Blutungen führen oder die Wirkung von blutzuckersenkenden Tabletten (Sulfonylharnstoffen) verstärken und zu Hypoglykämien führen. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker, falls Sie zu Ihren täglichen Medikamenten etwas Neues einnehmen. Es geht um Ihre Sicherheit.

Entsorgung
Medikamente, die nicht mehr gebraucht werden, können dem Arzt oder Apotheker zurückgebracht werden.
In der Apotheke werden die Medikamente sortiert nach Verfalldaten. Noch nicht abgelaufene Packungen werden nach Osteuropa (z.B. Rumänien)  geschickt. Abgelaufene Artikel werden von Spezialfirmen eingesammelt und fachgerecht entsorgt.

Andrea Merkel-Hoek, dipl. pharm. ETH

An was Sie beim Zusammenstellen einer Reise­apotheke denken sollten, lesen Sie unter "Die Reisapotheke" 207/10.