Diabetes am Puls der Zeit – «Social Media»

Der soziale Austausch übers Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Gerade für junge Menschen gehört das Abrufen der neuesten Meldungen auf Facebook und Twitter genauso zum Alltag wie das Blutzuckermessen für eine/n Diabetiker/-in. Wieso sollte man die beiden Aktivitäten nicht verbinden? Diabetes und Social Media – ein starkes Team.

Bilder von der Beleuchtung des Unispitals zum Welt­­dia­betestag 2011 finden Sie auf www.wearehoney.org oder auf der Facebook-Seite der Initiative.

Das Stichwort «Diabetes» ergibt bei der Suchmaschine Google rund 295 Millionen Ergebnisse. Musste man sich früher als Patient/-in auf die Ratschläge des Fachpersonals verlassen oder allenfalls einen Gang in die Bibliothek auf sich nehmen, kann man heute in Sekundenschnelle auf Tausende von Websites voller Informationen, Diabetesforen oder Blogs zurückgreifen. Für viele junge Diabetiker/-innen ist das Internet die erste Anlaufstelle direkt nach der Diagnose und im Alltag. Dort finden sie Antworten auf spezifische Fragen (oder teilen ihre Erfahrungen mit) und tauschen sich ganz allgemein über das ­Leben mit dieser chronischen Krankheit aus.
Um am Puls der Zeit zu bleiben sind so genannte «Social Media»-Plattformen wie Facebook oder Twitter (um nur die beiden bekanntesten Beispiele zu nennen) gerade für junge Menschen ein geeignetes Instrument. Der Begriff «Social Media» bezeichnet digitale Technologien, die den inter­aktiven Austausch zwischen Nutzern fördern. Dieses Konzept ermöglicht es den Seitenbesuchern, den Inhalt der Webseiten zu kommentieren oder gar aktiv zu gestalten. Unterstrichen sei hier der Begriff «gestalten». Wie der Name bereits andeutet, legen solche Plattformen Wert darauf, dass ihre Nutzer aktiv Einfluss nehmen können und als Gemeinschaft die Seite spezifisch nach ihren Bedürfnissen formen.
Bereits haben viele Gesellschaften begonnen, für ihre Kampagnen gezielt mit «Social Media» zu arbeiten. So liest man auf der Webseite der International Diabetes Federation, dass man ihre Aktionen zum Weltdiabetestag auf Facebook, Twitter, Flickr und YouTube mitverfolgen kann. Damit möchte man einerseits die Basis der Diabetes­gemeinschaft, nämlich die Betroffenen selbst, einbinden und andererseits auch ein neues und vor allem auch breiteres Publikum ansprechen. Im Rahmen der «Blue Monument Challenge» wurden 2011 weltweit rund 664 Gebäude als Solidaritätszeichen mit Diabetesbetroffenen blau beleuchtet. Bilder und Videoaufnahmen der Lichtinstalla­tionen wurden praktisch ohne Zeitverzögerung online zugänglich gemacht.
Von dieser Idee liess sich auch die neugegründete Schweizer Initiative «honey» begeistern, die sich speziell an ein junges Publikum wendet und am letzen Weltdiabetestag selbst Bilder der beleuchteten Uniklinik in Zürich ins Internet stellte.
Erst seit dem 1.11.11 online, möchte die Plattform eine Austauschmöglichkeit für Betroffene und ihre Angehörigen bieten. Das Projekt «honey» fokussiert sich in der Aufbauphase vor allem auf den Ausbau seiner online-Präsenz, denn dessen Zielgruppe wird am einfachsten über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter erreicht. Auch die Website soll ­ihren Teil dazu beitragen. Diese wird stets mit kurzen und knappen Informationen bezüglich aktueller Forschungen, Portraits und Testberichten informieren und unterhalten und soll so die Bedürfnisse einer Generation widerspiegeln, die bereits zu einem grossen Teil mit dieser Technologie aufgewachsen ist.
Der soziale Austausch über das Internet hat gerade für ein jüngeres Publikum entscheidende Vorteile. Die Plattformen sind über Computer oder Handy jederzeit abrufbar, sei das Zuhause, im Fitness­center  oder beim Pendeln im Zug. Die Betroffenen müssen keine festgelegten Termine für Gruppentreffen einhalten, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, sondern können dies bei Bedarf immer und überall tun. Eine persönliche Begegnung in Zürich, Bern, Basel kann darauf als nächster Schritt folgen. Die meisten Plattformen haben niedrige Eintrittsbarrieren und verlangen keine spezifischen Eigenschaften, die man als Nutzer erfüllen muss. Die geringen Kosten – die wenigsten Seiten verlangen einen Mitgliederbeitrag – werden gerade von den jüngsten Betroffenen (Lehrlinge und Studenten) sehr geschätzt.
Doch besteht bei jeder Online-Aktivität auch ein Bedarf an kritischer (Selbst)Hinterfragung, und so soll an dieser Stelle auch ein leises Vorsichtsgebot geäussert werden. In einer kürzlich erschienenen Studie von Forschern der Harvard University und CVS Caremark wurden 23 amerikanische Diabetes-Webseiten untersucht, welche zwischen 3074 bis zu unglaublichen 300 000 Mitgliedern zählen. Laut CVS Caremark zeigte die Studie, dass webbasierte soziale Netzwerke einen sinnvollen Nutzen für die Patienten/-innen darstellen können und beispielsweise «Selbstbildung, Informationsverbreitung und gemeinschaftliche Unterstützung» fördern. Gleichzeitig stellen die Forscher jedoch fest, dass nur wenige Webseiten strenge Qualitätskontrollen im Bezug auf den Inhalt der Seiten, Datenerfassung von Patienteninformationen oder auch hinsichtlich der Werbetätigkeiten von Pharmaunternehmen durchführen. Weiter vermerkt die Studie aber, dass nur wenige Anhaltspunkte für irreführendes oder aus medizinischer Sicht problematisches Informationsmaterial gefunden wurde.
Zusammengefasst ist der grösste Vorzug der «online-Selbsthilfegruppen» aber sicherlich deren Echtzeitfaktor. Jede/r Diabetiker/-in lebt rund um die Uhr mit der Krankheit. Und jede/r Betroffene erlebt jeden Tag anders: von Erfolgserlebnissen über Unsicherheiten, von Fragen der Handhabung von Insulinpumpen zum Frustablass über einen widerspenstigen Blutzuckerwert. Diabetes ist jetzt und immer – so wie auch das «World Wide Web». Und wer sich in einer anderen Sprache über seine Freuden und Leiden unterhalten kann, der hat gute Chancen, sogar mitten in der Nacht eine Rück­meldung auf seine «messages, tweets und blogs» zu erhalten: Vielleicht von einem Diabetiker in den USA, der eben erst einen neuen Tag begonnen hat. Social Media verbindet. Diabetes auch.

Laura Walde

Facebook: Eine kostenlose Internetplattform zur Bildung von sozialen Netzwerken. Ermöglicht das Austauschen von Bildern, Videos, Statusmeldungen, Umfragen und Chatfunktionen.
Twitter: Benutzer können Textnachrichten («tweets») von maximal 140 Zeichen erfassen, welche dann allen registrierten Nutzern, welche diesem Benutzer folgen, angezeigt werden.
Flickr: Erlaubt seinen Nutzern, digitale Bilder und Videos mit Beschreibungen und Kommentaren online anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen.
YouTube: Ein Internet-Videoportal, das es seinen Benutzern ermöglicht, kostenlos Video-Clips online zu stellen oder anzusehen und zu kommentieren und zu bewerten.
honey: Eine Initiative der Zürcher Diabetes-Gesellschaft, die sich speziell auf die Bedürfnisse einer jüngeren Generation Diabetiker ­fokussiert.
Unterstützen Sie junge Diabetiker über www.wearehoney.org
(PC 80-487989-8) 
lautend auf Zürcher Diabetes-Gesellschaft,
 Projekt «honey».

Referenz Studie: Link

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