Übergewicht im Kindesalter

Gehört: «Meine beiden Enkel sind übergewichtig», berichtet die 64-jährige Grossmutter, selbst adipös und Typ-2-Diabetikerin. «Wäre es nicht besser, bereits jetzt im Kindesalter etwas dagegen zu unternehmen?»

Geantwortet: Zwar ist der Hunger auf der Welt auch heute noch nicht ausgerottet. Rein zahlenmäs­sig ist aber das Übergewicht in den letzten Jahren zum grössten Ernährungsproblem im Kindesalter geworden. In den USA ist, gemessen am Bodymass Index (BMI), bereits jedes 6. Kind, jeder 6. Jugendliche adipös. Es ist gut bekannt, dass übergewichtige Kinder und Jugendliche im Erwachsenenalter früher und ausgeprägter Ablagerungen in den Blutgefässen ent­wickeln (Atherosklerose), welche letztlich zu Herzinfarkt und Hirnschlag führen können. Dies ist nicht erstaunlich, da Blutdruck und Blutfette bei Übergewichtigen bereits im Kindesalter tendenziell höher sind als bei Normalgewichtigen. Sie entwickeln auch bereits eine Insulinresistenz, selten sogar schon einen Typ-2-Diabetes. Die Wahrscheinlichkeit, schon vor dem fünfzigsten Altersjahr ernsthafte Herz-Kreislauf-Probleme zu erleiden, ist bei adipösen Kindern ganz deutlich erhöht.
Leider ist es sehr oft nicht so, dass der «Kinderspeck» in der Pubertät wieder verschwindet. Während dem nur etwa 15 % der normalgewichtigen Kinder in den 25 Jahren nach abgeschlossener Entwicklung übergewichtig werden, bleiben etwa 70 – 80 % der übergewichtigen und adipösen Kinder auch im Erwachsenenalter zu dick.
Die gute Nachricht zuletzt: Gelingt es, das Gewicht bereits im Kindesalter wieder zu normalisieren und später auf tieferem Niveau zu halten, haben diese – ehemals – übergewichtigen Kinder als Erwachsene eine «ungetrübte» Gesundheitsprognose. Es wäre deshalb sehr wertvoll, kindliches Übergewicht so konsequent wie möglich zu bekämpfen. Erfreulicherweise bieten auch in der Schweiz immer mehr Kinderspitäler Programme an mit Ernährungsberatungen, vermehrter körperlicher Aktivität und Anleitungen zur Verhaltensänderung, selbstverständlich unter Einbezug der Eltern.

Dr. med. K. Scheidegger  

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