Diabetes und Menopause

Gehört: «Ich bin seit einem Jahr in der Abänderung und leide unter Schweissausbrüchen, Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, Hungerattacken und depressiver Verstimmung. Was mich aber am meisten plagt, sind starke Blutzuckerschwankungen. Ich habe schon mehrere Male Unterzuckerungen gehabt mit Blutzuckerwerten zwischen 3 und 4 mmol/l. Daneben erwache ich aber regelmässig mit morgendlichen Blutzuckerwerten zwischen 10 und 16 mmol/l. Ich habe aber weder meine Mahlzeitengewohnheiten noch meine Insulindosierungen geändert, was diese Blutzuckerausreisser erklären könnte», berichtet die inzwischen 48jährige Frau M., die seit ungefähr zehn Jahren an Diabetes leidet und eigentlich früher fast immer gute Blutzuckerwerte hatte. 

Geantwortet: Unter Menopause (Wechseljahre, Klimakterium, Abänderung) wird der Zeitraum vor und nach der letzten Regelblutung im Leben einer Frau verstanden. Jede Frau erlebt diese Lebensphase anders. Viele Frauen haben überhaupt keine oder nur leichte Beschwerden. Für einen Viertel der Betroffenen stehen lediglich Zyklusschwankungen im Vordergrund, viele andere beklagen Schweiss­ausbrüche, Schlaflosigkeit oder Hitzewallungen, wie von Frau M. beschrieben.  

Die Wechseljahre sind ein natürlicher Abschnitt im Leben einer Frau. Im Durchschnitt ist mit einer Dauer von etwa sechs Jahren zu rechnen. Die Funktion der Eierstöcke, deren Höhepunkt zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr ist, nimmt nun zunehmend ab und versiegt schliesslich ganz. Der Eisprung fällt aus, und die Eierstöcke bilden immer weniger von den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron. Dieser Ablauf verläuft in Schwankungen und führt zu den Menopausebeschwerden, wie sie beschrieben worden sind. 

Die Abänderung kann in verschiedener Weise auf den Diabetes einwirken. Die erwähnten Hormone Östrogen und Progesteron scheinen mitverantwortlich zu sein für den Blutzuckerspiegel: Höhere Spiegel von Östrogen verbessern in der Regel die Insulinwirkung, während höhere Spiegel von Progesteron die Insulinwirkung eher verschlechtern. Wenn sich diese Hormonspiegel verändern, werden  auch die Blutzuckerwerte unterschiedlich ausfallen, einmal höher, einmal tiefer.

Zudem bemerken viele Frauen, dass sie ab Beginn der Wechseljahre einige Kilogramm an Gewicht zunehmen, was sich wiederum negativ auf die Blutzuckerspiegel auswirken kann. Zudem können die lästigen Hitzewallungen und Schweissausbrüche die Symptome einer Unterzuckerung vortäuschen und die nächtliche Schlafqualität verschlechtern, was am nächsten Morgen den Nüchternblutzucker erhöht. 

Durch einen relativen Überschuss an männlichen Hormonen kommt es zu einer männlichen Fettverteilung, das heisst weniger Fettpolster an den Hüften und mehr im Bauchbereich. Dies beeinträchtigt die  Insulinwirkung zusätzlich. 

Alle diese Veränderungen erklären gut, weshalb sich in der Menopause der Insulinbedarf und die Blutzuckerwerte ändern und Schwankungen ausgesetzt sind. Ein sicheres Rezept für die Anpassung gibt es nicht. Empfohlen werden Allgemeinmassnahmen wie regelmässige körperliche Aktivität, ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und Reduktion des Alkohol- und Kaffeekonsums. Wenn diese Massnahmen nicht den gewünschten Effekt auf die Beschwerden haben, kann eine zielgerichtete Therapie helfen (Phytotherapeutika, Hormonersatz). Eine Anpassung der Diabetestherapie kann unter Umständen unumgänglich sein.

Wichtig ist, dass regelmässig der Blutzucker gemessen wird. Im Sinne einer Prävention gegen Spätfolgen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte die Gewichtszunahme möglichst gering gehalten und die Blutfette (Cholesterin) unter Kontrolle gehalten werden. Dies erfordert regelmässige hausärztliche Konsultationen. 

Aus diversen Untersuchungen wissen wir, dass die Menopause nicht nur bei Raucherinnen, sondern auch bei Frauen mit Diabetes in der Regel einige Jahre früher eintritt. Bei Typ-1-Diabetes ist der Beginn der Abänderung nicht abhängig davon, ob der Blutzucker in den Jahren zuvor gut oder schlechter eingestellt war. Das Ausmass der Blutzuckerschwankungen hängt nicht vom Alter der Frau bei Beginn der Menopause ab. Eine frühe Menopause ist mit einem etwas erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verknüpft.

Dr. med. Alexander Spillmann             

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