Rauchen, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 
hängen zusammen

25 bis 30 Prozent der Menschen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren sind Raucher. Dieser Anteil ist bei Diabetikern und Nichtdiabetikern gleich hoch. Allgemein ist bekannt, dass Rauchen langfristig Gesundheitsschäden zur Folge haben kann, weniger hingegen, dass Rauchen auch die Entstehung eines Diabetes mellitus (Typ 2) begünstigen kann, stark mit Übergewicht zusammenhängt und bei Vorliegen eines Diabetes mellitus mit besonders grossen Risiken verknüpft ist.

Rauchen und Gesundheit

Es ist nicht überraschend, dass Rauchen mit vielen Gesundheitsschäden in Zusammenhang gebracht wird (siehe Abbildung 1): Im Tabakrauch sind neben Nikotin mehrere tausend chemische Substanzen enthalten, die beim Rauchen freigesetzt und eingeatmet werden. Daher sollte man beim Thema Rauchen korrekterweise nicht nur von Nikotin-, sondern besser allgemein von Tabakkonsum sprechen. Viele der im Tabakrauch enthaltenen  Stoffe sind giftig und/oder suchtfördernd. Sie können miteinander in Wechselwirkung treten und sich so gegenseitig verstärken. Für die zahlreichen im Tabakrauch enthaltenen krebserzeugenden Substanzen gibt es keine ungefährliche Dosis. Das bedeutet: Jede gerauchte Zigarette gefährdet die Gesundheit. Zigarren, Pfeifen und das Passivrauchen sind nicht unbedenklicher als Zigaretten.

Rauchen und Körpergewicht

Raucher sind im Durchschnitt vier bis fünf Kilogramm leichter als Nichtraucher. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht restlos geklärt: Sicher ist, dass Rauchen das Hungergefühl bremst, was eine verminderte Kalorienzufuhr zur Folge hat. Nikotin steigert zudem durch einen stimulierenden Effekt auf das vegetative Nervensystem auch den Energieverbrauch. Rechnerisch resultiert bei einem Zigarettenkonsum von 25 Zigaretten pro Tag ein zusätzlicher täglicher Energieverbrauch von 200 Kilokalorien, was theoretisch in einem Jahr einem Gewichtsverlust von 10 Kilogramm entsprechen würde. Allerdings sind gerade starke Raucher mit einem Zigarettenverbrauch von mehr als einem Päckli pro Tag in der Regel schwerer als weniger starke Raucher. Man führt dies darauf zurück, dass der Tabakkonsum auch mit einem geringeren Gesundheitsbewusstsein verknüpft ist: Oft sind Raucher weniger sportlich aktiv, essen weniger gesund und trinken zudem auch mehr kalorienreichen Alkohol. Zudem bewirkt Nikotin eine Umverteilung des Körperfettes, wobei insbesondere das Bauchfett zunimmt, welches als besonders gefährlich für die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 und eines sogenannten Metabolischen Syndroms angesehen wird. Auch die Spiegel der Stresshormone, wie zum Beispiel Kortisol, sind bei Rauchern höher.
Bei einem Rauchstopp wird oft eine Zunahme des Körpergewichtes befürchtet. Die Gewichtszunahme wird aber überschätzt und ist umso grösser, je jünger eine Person ist und je ausgeprägter der Ta­bak­konsum vor dem Stopp war. Zudem ist das Ausmass der Gewichtszunahme auch erblich veranlagt und bei Frauen etwas ausgeprägter als bei Männern. Die meisten Raucher/-innen  nehmen nach einem Rauchstopp im Durchschnitt vier bis fünf Kilogramm zu. Das Gewicht wird dabei insbesondere in den ersten zwei bis drei Jahren zugelegt und steigt danach in der Regel nicht weiter an. Zehn Jahre nach einem erfolgreichen Rauchstopp wiegen die Frauen durchschnittlich fünf Kilogramm mehr als vor dem Rauchstopp, die Männer vier bis fünf Kilogramm. Nur wenige Raucher nehmen mehr als zehn Kilogramm zu. In jedem Fall ist aber das gesundheitliche Risiko, das mit dieser Gewichtszunahme eingegangen wird, unvergleichlich tiefer als das Risiko, wenn mit dem Rauchen fortgefahren wird: Rechnerisch müsste man etwa 40 Kilogramm zunehmen, um in Bezug auf Herzkreislaufkrankheiten dem gleichen Todesrisiko ausgesetzt zu sein, wie wenn man weiter rauchen würde.
Die Ursachen für die Gewichtszunahme nach einem Rauchstopp sind noch nicht eindeutig geklärt. Die wichtigste Rolle scheint eine kalorienmäs­sig grössere Nahrungsaufnahme zu spielen. Ex-Raucher essen häufiger und grössere Portionen, vor allem auch Süssigkeiten (Kohlenhydrate), obwohl der Körper weniger Energie verbraucht als vor dem Rauchstopp.
Die durch den Rauchstopp verur­sachte Gewichtszunahme kann teilweise oder ganz verhindert werden. So trägt vermehrte körperliche Aktivität nach dem Rauchstopp dazu bei, das Gewicht zu halten oder sogar zu reduzieren. Es ist schon wirkungsvoll, Treppen anstelle des Aufzugs zu verwenden, kurze Strecken mit dem Velo statt mit dem Auto zu fahren oder kleine Spaziergänge zu unternehmen. Regelmässige Bewegung oder Sport können darüber hinaus während eines Rauchstopps die Entzugssymptome mindern. Auch Medikamente, zum Beispiel Nikotinersatzstoffe, die bei stark abhängigen Rauchern in der Tabakentwöhnung Verwendung finden, können vorerst eine übermässige Gewichtszunahme verhindern. In keiner Weise hilfreich sind medikamentöse Appetitzügler, da mit ihnen eine Rauchstopp-Gewichtszunahme nicht vermieden werden kann.

Rauchen und Diabetes mellitus

Rauchen, auch Passivrauchen, erhöht das Risiko, ­einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln um 50 bis 100 %, und zwar bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, wobei das Ausmass des Tabakkonsums nicht so entscheidend ist. Für den  Typ-1-Diabetes mellitus, welcher als sogenannte Autoimmunerkrankung eine andere Entstehungsursache hat, ist dieser Zusammenhang umstritten. Schuld am erhöhten Dia­betesrisiko ist vor allem die Zunahme des Bauchfettes. Daneben sind aber auch toxische Effekte des Nikotins auf die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse und die Insulinwirkung (sogenannte  Insulinresistenz) bekannt. Zudem verursacht Nikotin eine chronische Entzündung, die den Diabetes mellitus zusätzlich begünstigt. Wie bereits erwähnt, haben viele Raucher die Neigung zu gesundheitsschädlichem Verhalten, was das Diabetesrisiko über Gewichtszunahme und zu grosser Kalorienzufuhr bei mangelnder körperlicher Bewegung ebenfalls erhöht. Nach einem Rauchstopp müssen einige Jahre vergehen, bis das Risiko für einen Diabetes mellitus gleich hoch ist wie bei Nichtrauchern. In der ersten Zeit kann das Diabetesrisiko vorübergehend  sogar noch etwas ansteigen.

Bei bereits vorliegendem Dia­betes sind die Folgen des Rauchens zum einen auf direkte Wirkungen des Tabakrauchs auf das Herzkreislaufsystem, zum anderen aber auch auf eine Verschärfung der diabetesbedingten Spätfolgen zurückzuführen (Abb. 2). Rauchen erhöht bei Diabetiker/-innen (Typ 1 und 2) den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und die Blutgerinnungsneigung und verschlechtert die Insulinempfindlichkeit, was zu einem erhöhten Insulinbedarf führt. Im Tabakrauch enthaltene Substanzen begünstigen ausserdem per se die Entstehung der Arteriosklerose. Auch die Spiegel der blutzuckersteigernden Stresshormone sind, wie bereits erwähnt, bei Rauchern höher. All dies führt zu einem erhöhten Risiko für Herzkreislaufkrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall). Zudem werden die diabetesbedingten Spätfolgen wie Nierenschwäche, Augen- und Nervenschäden begünstigt. Rauchende Diabetiker/-innen haben eine bis zu 80 % höhere Sterberate als nichtrauchende Diabetiker/-innen. Es lohnt  sich deshalb, mit dem Rauchen aufzuhören. Damit kann auch ein günstiger Effekt auf die Insulinwirkung, den Fettstoffwechsel und auf die Spätfolgen erwartet werden. Ein Rauchstopp reduziert das Risiko für Herzkreislauferkrankungen deutlich. Das erhöhte Sterberisiko nimmt jedoch nur langsam über die Jahre hinweg ab, was stark von der Dauer des Tabakkonsums abhängt.

Dr. med. Alexander Spillmann

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