Koloskopie – Dickdarmspiegelung

Gehört: «Ein Freund von mir hat mir angeraten, eine Dickdarmspiegelung zur Krebsvorsorge zu machen», berichtet der 54-jährige Herr K., seit bald 15 Jahren übergewichtig und seit 5 Jahren Typ-2-Diabetiker. «Macht das wirklich Sinn? Das ist doch nur eine Momentaufnahme. Vielleicht habe ich dann in ein paar Monaten Darmkrebs.»

Geantwortet: Ihr Freund hat absolut recht. Ich empfehle allen meinen Patienten, zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr eine Dickdarmspiegelung zu machen. Der Arzt spricht von einer Koloskopie. Diese Untersuchung ist eine der wenigen wirklich sinnvollen Vorsorgeuntersuchungen neben Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin, die bei Ihnen ja ohnehin regelmässig kontrolliert werden. Mehrere Gründe sprechen dafür:
Der Dickdarmkrebs (Kolon-Karzinom) ist in der Schweiz sowohl bei der Frau wie beim Mann der zweithäufigste bösartige Tumor. Er macht im Anfangsstadium oft noch keinerlei Beschwerden. Wenn Bauchschmerzen auftreten oder ungewohnte Stuhlunregelmässigkeiten, die dann zu Abklärung und Diagnose führen, ist es für eine zur Heilung führende Operation leider oft schon zu spät. Der Krebs hat dann häufig schon Ableger (Metastasen) gebildet. Trotz oft zusätzlich eingesetzter Bestrahlung und Chemotherapie sterben letztlich viele Betroffene am Dickdarmkrebs bzw. seinen Folgen.
Der Dickdarmkrebs gehört zu den zahlreichen Krebsarten, die bei Übergewichtigen bzw. bei Typ-2-Diabetikern häufiger auftreten (siehe auch «d-journal» 207/10). Wahrscheinlich spielen dabei die durch das Übergewicht begünstigte Insulinresis­tenz bzw. die daraus resultierende Hyperinsulinämie eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang ist die Beobachtung interessant, dass das Diabetesmedikament Metformin, welches bekanntlich der Insulinresistenz entgegenwirkt, die Wahrscheinlichkeit, einen Dickdarmkrebs zu bekommen, fast wieder auf das Niveau von Stoffwechselgesunden senkt.
Dickdarmkrebs entsteht langsam und fast immer aus Polypen, kleinen Vorwölbungen in die Darmhöhle. Werden bei einer Dickdarmspiegelung solche Polypen gefunden, kann sie der untersuchende Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) während der Untersuchung mit einer kleinen Zange wegschneiden. Er entfernt damit die weitaus häufigste Krebsvorstufe. Je nachdem, wie die Zellen dieses Polypen unter dem Mikroskop aussehen, wird eine nächste Dickdarmspiegelung dann in drei bis fünf Jahren empfohlen. Bei allen andern, bei denen ein normaler Dickdarm gefunden wird, darf man davon ausgehen, dass es 7 bis 10 Jahre brauchen würde, bis Krebs entstehen könnte. Mit einer erneuten Koloskopie darf also bis zu 10 Jahre gewartet werden.
Dass wir hier nicht über graue Theorie sprechen, zeigt das Beispiel des Kantons Uri. Dort wurde die präventive Dickdarmspiegelung zwischen 50 und 60 Jahren bereits vor zahlreichen Jahren fast flächendeckend eingesetzt. Der Dickdarmkrebs ist seither bei der Urner Bevölkerung sehr stark (!) ­zurückgegangen.
Die Dickdarmspiegelung ist in guten Händen entgegen ihrem Ruf keine wirklich belastende Untersuchung. Oft nimmt man nach dem allfälligen Spritzen beruhigender Medikamente die Untersuchung sogar kaum wahr. Das fast Unangenehmste ist das vorgängige Trinken von rund drei Litern einer abführenden Flüssigkeit zur Darmreinigung. Der Untersucher braucht klare Sicht!
Und schliesslich: Bei familiärer Belastung mit Dickdarmkrebs wird empfohlen, die erste Spiegelung bereits im Alter von 40 bis 45 Jahren durchzuführen.
Falls Sie «Ihre» Koloskopie noch nicht gemacht haben, besprechen Sie es beim nächsten Besuch mit Ihrem Arzt. Die Kosten der Untersuchung werden übrigens – auch bei präventiver Indikation – neu von der Krankenkasse übernommen.

Dr. med. K. Scheidegger