Diabetische Nephropathie

«Diabetes kann an die Nieren gehen!»

Was ist eine diabetische Nephropathie?
Die diabetische Nephropathie (Erkrankung der Nieren) ist eine der häufigsten Folgeerkrankung des Diabetes.
Die Nieren haben in unserem Körper viele wichtige Funktionen. Sie entgiften den Stoffwechsel von Abfallprodukten. Diese werden durch die Nieren gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden. Ausserdem gleichen die Nieren den Wasser- und Salzhaushalt aus, regulieren den Blutdruck und bilden Hormone, die unter anderem für die Blutbildung und für die Knochen wichtig sind.
Für die Filtervorgänge in den Nieren sind unzählige kleine Knäuel aus Blutgefässen zuständig, die Filterkörperchen. Anhaltend hohe Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerte, wie sie bei Personen mit Diabetes oft gemeinsam vorkommen, beschädigen die Innenwände der Blutgefässe in den Filterkörperchen. Die Filterkörperchen vernarben deshalb. So lässt auf Dauer die Filterfunktion der Nieren nach und es entwickelt sich eine diabetische Nephropathie. Mit nachlassender Filterleistung der Nieren nimmt auch die Entgiftungsfähigkeit des Körpers ab. Besteht über längere Zeit eine schlechte Diabeteskontrolle mit chronisch erhöhten Blutzuckerwerten und wird die diabetische Nephropathie nicht behandelt, kommt es zu einem Fortschreiten der Erkrankung, die letztendlich zum Nierenversagen führen kann.

Risikofaktoren
Nicht bei allen Diabetikern entwickelt sich eine diabetische Nephropathie gleich schnell. Familienuntersuchungen zeigen einen starken Einfluss der Erbanlagen (genetische Prädisposition). Das Erkrankungsrisiko steigt zudem bei ungenügender Einstellung des Blutzuckers und bei Bluthochdruck. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ebenfalls ein höheres Risiko.

Symptome
Im Frühstadium der diabetischen Nierenerkrankung spürt der Diabetesbetroffene nichts (keine Schmerzen, keine sichtbaren Urinveränderungen). In diesem Stadium kann die Erkrankung nur durch Bestimmung der sogenannten Mikroalbuminurie festgestellt werden. Mikroalbuminurie bedeutet Nachweis von kleinen Eiweissmengen im Urin. Steigt die Eiweissausscheidung im Verlauf der Erkrankung weiter an, können folgende Symptome auftreten:

  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Atemnot

Wenn sich ein Nierenversagen entwickelt, können zusätzlich folgende Beschwerden vorhanden sein, insbesondere in der Spätphase:

  • Juckreiz
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen

Wie wird eine diabetische Nephropathie festgestellt?
Zur Früherkennung der diabetischen Nierenschädigung dient die Messung der soeben beschriebenen Mikroalbuminurie. Albumin ist ein wichtiges Eiweiss im menschlichen Blut. Normalerweise gehen nur minimalste Mengen davon über den Urin verloren, der grösste Teil wird erfolgreich von den Nieren im Körper zurückbehalten. Bei zunehmender Schädigung der Niere kann sie aber diese Funktion nicht mehr gleich gut erfüllen, und eine zunehmende Menge an Eiweissen geht verloren.
Die Dauer bis zum Auftreten einer diabetischen Nephropathie kann vor allem beim Typ-1-Diabetes vorausgesagt werden, da dort der Zeitpunkt der Diabetesdiagnose bekannt ist. Andererseits wird der Typ-2-Diabetes oft erst mit einer Verzögerung von 5 − 7 Jahren entdeckt, so dass dann bereits zum Zeitpunkt der Diagnose eine Nierenerkrankung vorliegen kann.
Entsprechend dem Fortschreiten der Nierenschädigung teilt man die diabetische Nephropathie in fünf Stadien ein (siehe Tabelle).

Prävention
Durch eine sehr gute Blutzuckerkontrolle kann eine diabetische Nephropathie vermieden oder deren Fortschreiten verlangsamt werden. Das Erreichen der Zielblutzuckerwerte kann das Risiko einer Mikroalbuminurie um über 30 % reduzieren. Bei Patienten, die bereits eine Mikroalbuminurie aufweisen, kann das Fortschreiten bzw. der Übergang zur Makroalbuminurie deutlich verlangsamt werden.
Neben der guten Blutzuckerkontrolle ist auch auf eine gute Kontrolle des Blutdrucks zu achten.
Der Blutdruck sollte nach den Richtlinien unter 130/80 mmHg in der Arztpraxis betragen. Bereits leichte Blutdruckerhöhungen führen zu einem Voranschreiten der Nierenschädigungen. Um den Blutdruck zu senken bzw. im Zielbereich zu halten, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Sie zu Hause auch ohne Medikamente durchführen können:
 
Reduzieren Sie Ihr Körpergewicht, wenn Sie übergewichtig sind
Überflüssiges Körperfett fördert Bluthochdruck und schlechte Blutzuckerwerte. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass das Fettgewebe – und zwar insbesondere das Fett im Bauchbereich – verschiedene Hormone und Entzündungsstoffe produziert, die in den Stoffwechsel eingreifen. Wer durch Umstellung seiner Ernährung und regelmäs­sige körperliche Bewegung Übergewicht abbaut, verbessert allein schon damit und ohne medikamentöse Therapie seine Blutzucker- und Blutdruckwerte und unterstützt so seine Nieren.

Achten Sie auf die Salzzufuhr in der Nahrung
Essen Sie möglichst wenige Fertigprodukte und vermeiden Sie das Nachsalzen von Speisen.

Trinken Sie nicht zu viele alkoholische Getränke
Der tägliche Alkoholkonsum sollte nicht mehr als 20 g Alkohol betragen (z. B. 2 dl Wein, 2 Stangen Bier).

Rauchen Sie nicht
Studien haben bewiesen: Ein diabetesbedingter Nierenschaden schreitet bei Rauchern schneller fort. Denn Nikotin ist nicht nur Gift für die Blutgefässe, es erhöht auch den Druck in den Gefässknäueln der Niere und schwächt deren Filterleistung.

Nehmen Sie keine Medikamente, welche die Nieren schädigen können
Insbesondere Rheumamedikamente können bereits vorgeschädigte Nieren weiter beeinträchtigen.

Behandlung und Therapie
Wie in der Prävention (Vorbeugung) so ist auch in der Therapie einer diabetischen Nephropathie die wichtigste Säule eine gute Blutzuckerkontrolle. Die Diabetestherapie kann verschiedene Stufen umfassen. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion eine wichtige Therapiemassnahme. Die Diabetestherapie umfasst eine ausgewogene Ernährung, regelmässige körperliche Aktivität und allenfalls auch eine medikamentöse Behandlung. Personen mit Diabetes Typ 1 müssen immer mit Insulin behandelt werden. Anhand des sogenannten HbA1c-Wertes kann die Langzeittherapie der Blutzuckerwerte überprüft werden.
Der Diabetes-Pass der Schweizerischen Diabetes-Stiftung hilft Ihnen, Ihre regelmässigen Kontrollen und die Behandlungsziele zusammen mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin zu überwachen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenversagen
Sollte es trotz aller Prävention und Therapie zu einem Nierenversagen kommen, ist es wichtig, dass Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung informieren. Jedes Verfahren hat seine Vor- und Nachteile und kann Ihren Lebensstil beeinflussen. Es ist wichtig, dass Sie genau wissen was passiert und Sie aktiv bei der Wahl der Behandlungsmöglichkeit mitentscheiden können.
Viele Informationen finden Sie auf www.nephroaktuell.ch. Diese Patienteninformations-Webseite geht auf typische Fragen der Nierenerkrankungen ein und veranschaulicht anhand von Patientengeschichten das Thema Nierenersatztherapie – denn Dialyse bedeutet keineswegs das Ende eines freien, selbstbestimmten Lebens!
Wenn Ihr klinischer Zustand nicht die Behandlungsform bestimmt, entscheiden Sie sich für die Behandlungsform, die sich für Sie, Ihren Lebensstil und Ihre Familie am besten eignet.

Expertenteam SDG

Bestellen Sie den Diabetes-Pass bei Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin oder bei einer regionalen Dia­betes-Gesellschaft.

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