Diabetes und Sauna

Der Schlüssel zur Entspannung heisst Wellness, vom Englischen Wort «well» für gut. Es bedeutet also so viel wie es sich gut gehen lassen, sich und seinem Körper etwas Gutes tun. Dies geschieht über gesunde Ernährung, körperliche Fitness, seelische Ausgeglichenheit. Wellness im ­engeren Sinne sind entspannende ­Anwendungen wie Massagen, Bäder und Sauna.

Sauna bedeutet wörtlich «Erdgrube»: Die Finnen kommen ursprünglich aus dem Ural und haben ihr Heissluftbad in Erdhöhlen genommen; erst später errichteten sie dafür Blockhütten. Heute hat die Sauna einen festen Platz in Schwimmbädern, Fitness-Studios oder Wellness-Oasen: Dort gibt es viele verschiedene Saunen mit unterschiedlichen Temperaturen zum Schwitzen und Entspannen.
Gönnen Sie sich einmal das perfekte Wohlfühlprogramm in der Sauna: Das ist Erholung pur für Körper und Geist. Schnell sind Stress und Hektik des Alltags verflogen, wenn man es sich auf der Saunabank bequem gemacht hat. Verspannte Muskeln lockern sich, und durch die Wärme schüttet der Körper Glückshormone (Endorphine) aus: Gute Laune und intensive Entspannung folgen. Die Wohltat beim Saunen ist der Wechsel von trockener Hitze und plötzlicher Abkühlung mit kaltem Wasser: Das bringt den Kreislauf auf Touren und ist praktisch ein Fitness-Training für die Gefässe. Besonders wirksam ist der regelmässige Saunabesuch auch zur Stärkung der Abwehrkräfte gegen Erkältungen und Infekte: Denn wer regelmässig schwitzt, ist seltener verschnupft. Die Atemwege freuen sich über den Saunabesuch: Durch die Hitze steigt die Durchblutung um das Siebenfache, sie löst den Schleim in den Bronchien und macht so die Atemwege frei.

Sauna und Diabetes

Manche Zuckerkranke haben als Folge des Diabetes eine Störung der Nervenleitung, eine sogenannte Neuropathie. In diesem Fall kann die Anpassung der Wandspannung der Blutgefässe gestört sein. Diese ist aber nötig, um den Blutdruck bei starken Schwankungen der Umgebung wie Lagewechsel oder eben starke Hitze oder Kälte, stabil zu halten. Bei Diabetikern mit Neuropathie oder anderen Kreislaufproblemen wie hohem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen kann ein Saunabesuch deshalb auch gefährlich sein. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit kommen. Wenn bei Ihnen solche Probleme bekannt sind, sollten Sie also besser auf den Saunagang verzichten oder ihn auf jeden Fall vorher mit Ihrem Arzt absprechen.
Die Neuropathie kann auch zu einem eingeschränkten Empfinden vor allem an den Fusssohlen führen, was in der Sauna ein Risiko für Verbrennungen bedeuten würde. Ebenfalls nicht in die Sauna gehen sollten Sie mit offenen Wunden, vor allem auch mit den gefürchteten offenen Druckstellen an den Füssen, den sogenannten Ulzera.

Je höher, desto heisser

Die Sauna ist ein trockenes Heissluftbad. Bei minimaler Luftfeuchtigkeit, unter zehn Prozent, wird die Holzkabine auf bis zu 100 Grad Celsius erhitzt. Mittlerweile sind Saunaöfen nur noch selten mit Birkenholz beheizt, sondern meist elektrisch betrieben. Man sitzt oder liegt auf Holzbänken, die in unterschiedlicher Höhe in der Kabine angebracht sind. Am Boden beträgt die Temperatur etwa 70 Grad, und je weiter oben Sie sich platzieren, desto höher ist die Hitze. Bei 95 bis 100 Grad lässt sich die trockene, heisse Luft gut aushalten.

Vorher duschen und abtrocknen

Vor dem ersten Saunagang gehört die Reinigung. Nach der Dusche sollten Sie sich gründlich abtrocknen, denn Restfeuchtigkeit auf der Haut verzögert das Schwitzen. Die Füsse sollten warm sein, wenn Sie die Sauna betreten; bei kalten Füssen hilft ein warmes Fussbad mit ca. 40 Grad Celsius. Für den ersten Saunagang reichen acht Minuten aus. Wenn Sie keine oder wenig Sauna-Erfahrung haben, ist ein Platz auf einer der unteren Bänke empfehlenswert, damit Sie sich an die Temperatur und die trockene Luft gewöhnen. Setzen Sie sich entspannt hin, mit vorgeneigtem Oberkörper und gesenktem Kopf, und stützen Sie sich mit den Armen auf Ihren Knien ab. Sie können sich auch auf den Rücken legen und die Beine anwinkeln. Setzen Sie sich vor Verlassen der Sauna bitte immer aufrecht hin, damit der Kreislauf wieder in Gang kommt. Zu Beginn ist das aufrechte Sitzen eher zu empfehlen, da es weniger anstrengend wirkt. Zwei Saunagänge mit je acht Minuten reichen für den Anfang völlig aus. Mit der Zeit können Sie Ihr Pensum auf bis zu drei Saunagänge mit je 15 Minuten steigern und sich auch auf einer höheren Bank platzieren.

Saunabesuche sind gesund und tun gut. Sie sind aber nichts für Diabetiker mit Neuropathie und / oder Fussproblemen.

Kaltwasserguss nach jedem Gang

Wie schnell Sie ins Schwitzen kommen, ist individuell verschieden. Je öfter Sie saunieren, desto schneller beginnt Ihr Körper mit der Schweissproduktion. Zu Beginn setzt der eigentliche Transpirationsprozess erst beim zweiten Saunagang ein. Nach jedem Gang folgt die Abkühlung mit Kaltwassergüssen. Güsse sollten immer zum Herzen hin erfolgen, also von den Fussgelenken, rechts beginnend, die Beine entlang zum Rumpf und von den Handgelenken zu den Schultern. Danach folgt die kalte Dusche oder der Gang ins Tauchbecken. Bitte kühlen Sie sich immer zuerst in dieser Reihenfolge ab und springen Sie nicht gleich ins eiskalte Tauchbecken – dies ist eine zu starke Belastung für den Kreislauf. Für die Abkühlungsphase sollten Sie sich genauso viel Zeit lassen wie zuvor beim Erwärmen: Trocknen Sie sich nach dem kalten Guss gut ab und wickeln Sie sich in ein Badetuch oder einen Mantel. Ein paar Runden an der frischen Luft machen den Kopf frei und gewöhnen den Kreislauf an die Aussentemperaturen. Gönnen Sie sich nach dem Abkühlen eine viertel- bis halbstündige Ruhepause. Legen Sie sich in den Ruheraum - oder, wenn es das Wetter erlaubt, ins Freie, decken Sie sich gut zu, damit keine Unterkühlung auftritt, und entspannen Sie sich bei einem Kurzschlaf oder einer interessanten Lektüre.

Höhepunkt: der Aufguss

Der Höhepunkt des Saunagangs ist der Aufguss: Mit einer Holzkelle wird dabei Wasser auf den heis­sen Ofen gegossen, das mit Zischen sofort verdampft. Es treibt für einen kurzen Moment die Luftfeuchtigkeit nach oben und bewirkt ein vermehrtes Schwitzen. Für die Wirkung der Sauna hat der Aufguss keine grosse Bedeutung. Die Sauna-Etikette verlangt, die «Mitsaunenden» zu fragen, ehe man einen Aufguss macht. Für den Kreislauf ist es empfehlenswert, diesen erst beim zweiten oder dritten Gang vorzunehmen. Zwei bis drei Kellen Aufguss für eine 6- bis 8-Personen-Kabine sind ausreichend. Auch Zusätze aus ätherischen Ölen sollten sparsam dosiert werden. Es eignen sich Kiefer- und Fichtennadelessenzen sowie Orangenblüten und Fruchtessenzen für Liebhaber südlicher Aromen. Minze und Eukalyptus haben einen kühlenden Effekt und gehören nicht unbedingt in die Sauna.

Kirsten Metternich, aus «Diabetes-Journal» 10/01
(leicht überarbeitet und ergänzt von
Dr. med. D. Kappeler)

Vorher Blutzucker testen

Wenn Sie herzkreislaufkrank sind, sollten Sie die Sauna nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt besuchen. Auch bei akuten Infektionen und Erkältungen ist die Sauna zu meiden. Gehen Sie nicht mit knurrendem Magen in die Sauna und testen Sie vorher Ihren Blutzucker: Er sollte nicht niedriger als 5,6 bis 6 mmol/l (100 bis 110 mg/dl) liegen, damit Sie eine mögliche Unterzuckerung und Kreislaufstörungen während des Saunierens vermeiden. Wichtig ist, sich an diese Regeln zu halten und den Signalen des eigenen Körpers zu vertrauen. Wenn Sie sich unwohl fühlen, verlassen Sie besser früher die Kabine, statt eine vorgeschriebene Anzahl von Minuten auszuhalten. Sportlicher Ehrgeiz, was Länge und Häufigkeit der Saunagänge betrifft, schadet mehr, als er nützt. Vom Bad im Whirlpool oder warmen Duschen und Einseifen zwischen den Saunagängen ist abzuraten, da dies die Haut unnötig auslaugt. Die kalten Güsse oder Duschen während der Abkühlungsphase reichen aus, um den Schweiss abzuspülen, den der Körper in der Sauna produziert.

Saunatipps auf einen Blick

  • Nicht mit nüchternem Magen in die Sauna.
  • Blutzucker sollte mindestens bei 5,6 bis 6 mmol/l (100 bis 110 mg/dl) liegen.
  • Duschen und reinigen vor dem ersten Saunagang und gut abtrocknen.
  • Zu Beginn immer eine untere Bank wählen, sitzen oder sich hinlegen.
  • Vor dem Verlassen unbedingt aufrecht hinsitzen.
  • Maximal drei Saunagänge mit acht bis fünfzehn Minuten Dauer innerhalb von zwei Stunden absolvieren.
  • Nach jedem Saunagang kalte Güsse und Ruhepausen einlegen.
  • Bei Unwohlsein die  Sauna unbedingt verlassen, kühl duschen und entspannen.
  • Nach dem letzten Gang duschen und den Körper mit einer feuchtigkeitsspendenden Body Lotion eincremen.
  • Nach der Sauna keine grossen körperlichen Aktivitäten starten.

Achtung: Pumpenträger

Was Diabetiker mit einer Insulinpumpe betrifft, sollten Sie die Pumpe unbedingt draussen lassen. Die Temperaturen in der Sauna sind für das darin enthaltene Insulin zu hoch, es würde zerstört und seine Wirksamkeit würde verloren gehen. Für Pumpenträger heisst das, die Pumpe vor dem Saunabesuch ab- und danach wieder ankoppeln. Der Unterbruch der Insulinzufuhr sollte dabei aber, ähnlich wie auch beim Baden, maximal 1 Stunde pro Tag betragen. Bei den speziellen Patchpumpen ist ein einfaches Abkoppeln nicht möglich. Es muss hier immer gleich der ganze Patch abgenommen werden und kann danach nicht mehr verwendet werden. Ein Saunabesuch ist daher nur in dem Moment möglich, wo sowieso ein Patchwechsel ansteht, und der Saunabesuch muss entsprechend geplant werden. 

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