Diabetes Typ 2 – Besser leben dank Blutzucker messen?

An der letzten europäischen Diabetologietagung in Athen im September 2005 wurde unter anderen eine sehr interessante Studie vorgestellt.

Die sogenannte «Rosso»-Studie (retroelective study self monitoring of blood glucose and outcome of people with type 2 diabetes) untersuchte den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung für Typ-2-Diabetiker.
Die Blutzuckermessung ist ja in den letzten Jahren immer einfacher geworden und hat auch bei Patienten ohne Insulin schon eine weite Verbreitung erfahren. Während der Nutzen der Messung bei der Anpassung der Insulindosis aber auf der Hand liegt, ist dies bei Messungen ohne direkte Auswirkung auf die Therapie nicht so offensichtlich.
Gleichzeitig ist das Messen auch ein sehr grosser Kostenfaktor. Ein Streifen kostet schon über 1 Franken, bei mehrmals täglichem Messen können die Kosten rasch sehr stark ansteigen.
Bei der Rosso-Studie wurde nun kontrolliert, ob Patienten, die ihren Blutzucker selber kontrollieren, besser leben, als Patienten, die dies nicht tun. Kontrolliert wurden verschiedene Gesundheitsfaktoren, die direkt mit dem Diabetes in Verbindung stehen. Hämodialyse, Erblindung, Beinamputation, Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod.
Die Studie wurde in Deutschland in 192 Arztpraxen durchgeführt. Untersucht wurden die Daten aller zwischen 1995 und 1999 neu diagnostizierten Typ-2-Diabetiker über 45 Jahre. Es konnten 3268 Menschen eingeschlossen werden. Hiervon führten 1479 regelmässige Blutzuckermessungen durch, 1789 taten es nicht.
Bei den Diabetikern, die keine Messungen durchführten, kam es in 10,4% zu den oben erwähnten Erkrankungen oder Tod. Bei den Patienten mit regelmässigen Messungen hingegen lag die Häufigkeit nur bei 7,2%.
Auch bei der Sterblichkeit gab es einen deutlichen Unterschied. Insgesamt verstarben 120 Patienten (3,7%) über die Studiendauer von gut 6 Jahren. Die Sterblichkeit lag deutlich höher bei Patienten ohne Selbstmessung (4,6%). Von den Teilnehmern, die Blutzuckermessungen durchführten, starben nur 2,7%.
Zusammengefasst heisst das: Mit Blutzuckermessen kann das Risiko für schwere Erkrankungen um ein Drittel, das Risiko zu sterben sogar um die Hälfte reduziert werden!
Dieser Effekt konnte sowohl bei Typ-2-Diabetikern mit Insulintherapie, mit Tabletten oder mit anderen Therapieformen beobachtet werden.
Es lohnt sich also nicht nur für Patienten mit Insulin, ab und zu den Blutzucker zu kontrollieren. Wie häufig allerdings diese Messungen erfolgen sollten, konnte die Studie nicht beantworten.
Als generelle Empfehlung gilt, je stärker die Blutzuckerspiegel schwanken, desto häufiger sollten Kontrollen erfolgen. Bei stabilen Werten sind Messungen 1- bis 2-mal pro Woche ausreichend. Bei Krankheit, ungewöhnlicher Bewegung oder einfach generell instabileren Werten sollte täglich gemessen werden. Ausserdem sieht man dem Blutzucker auch die Auswirkungen speziell ungünstiger Mahlzeiten an, was die Motivation zum Einhalten einer diabetesgerechten Ernährung vereinfachen kann.

Dr. med. Dirk Kappeler

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