Das Diabetes-Tagebuch

Das Führen eines Diabetes-Tagebuchs ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung des Diabetes.Es gibt wohl beinahe so viele Arten, ein Tagebuch zu führen, wie es verschiedene Menschen mit Diabetes gibt.

Sinn und Zweck eines Tagebuchs
Der Sinn des Tagebuchs ist, die Behandlung des Diabetes zu dokumentieren. Täglich eingetragen wird, zu welcher Uhrzeit welcher Blutzucker bestimmt, wie viel Insulin gespritzt oder welche Medikamente eingenommen wurden. Aber auch andere Angaben sind möglich, wie die gegessene Menge Kohlenhydrate, die Ketonkörper im Urin, sportliche Aktivitäten, Hypoglykämien usw. Periodisch werden auch andere Angaben eingetragen, wie der HbA1c-Wert, die Resultate der Augenkontrolle, die Kontrolle der Füsse, der Blutdruck usw.
Genau so wichtig wie das Führen des Tagebuchs ist dessen Auswertung mit dem Ziel einer Optimierung der Therapie und dem Erreichen einer möglichst guten Stoffwechselsituation. Aus den protokollierten Daten können sehr vielfältige Auswertungen gemacht werden, wie Verlaufskurven von verbrauchter Insulinmenge, Blutzuckerdurchschnittswerte, Verlauf der Diabeteseinstellung mit dem HbA1c-Wert, Körpergewicht usw.
So kann zum Beispiel eine Auswertung auch zeigen, dass der Blutzucker immer abends zwischen 16.00 und 20.00 Uhr am höchsten ist. Oder dass jede Nacht nach einer grossen sportlichen Aktivität ein Hypo auftritt. Dies ermöglicht dann eine gezielte Anpassung an das Therapieschema.

Kontrolle beim Arzt
Für die regelmässige Kontrolle beim Arzt ist das Tagebuch natürlich sehr hilfreich. Einerseits hilft es dem Patienten, sich zu erinnern, anderseits gibt es dem Arzt hilfreiche Hinweise und dient ihm als Diskussionsbasis für das Therapieschema. Jeder Arzt dokumentiert in seinen eigenen Unterlagen die Situation des Patienten, die bestimmten Laborwerte und seine Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Zusammen mit einem Diabetes-Tagebuch des Patienten ergibt dies eine recht vollständige ­Dokumentation über die Situation des Menschen mit Diabetes.
 
Das geschriebene Tagebuch/Kontrollheft
Der Klassiker unter den Kontrollheften in der Schweiz ist das grüne Tagebuch der SDG. Das Kontrollheft wird vom Diabetiker geführt. Auf der ersten Seite hat es Platz für die allgemeinen Angaben des Diabetikers, wie Name, Geburtsdatum, behandelnder Arzt, Medikamente und zu benachrichtigende Person bei einer Notfallsituation. Zusätzlich kann das Diätschema eingetragen werden. Pro Monat gibt es anschliessend 4 Seiten, in denen die täglichen Angaben eingetragen werden können (Datum, Morgen/Mittag/Abend bestimmte Werte, Bemerkungen, Medikamente und Körpergewicht).
Neben dem grünen Klassiker gibt es eine Vielzahl von Kontrollheften, sei es von Geräteherstellern oder Pharmafirmen, die Diabetesmedikamente auf den Markt bringen. Selbstverständlich kann jeder Diabetiker auch sein eigenes Kontrollheft kreieren oder irgendein Heft verwenden, das ihm passend erscheint und gefällt.

Der Diabetes-Pass
Neben dem Kontrollheft gibt es auch den Diabetes-Pass. Er wird im Gegensatz zum Kontrollheft vom Arzt ausgefüllt und enthält Angaben zu den regelmässig vom Arzt bestimmten Werten wie HbA1c, Blutdruck, Cholesterinprofil, Mikroalbuminurie, periphere Neuropathie, Kontrolle der Beine, Füsse und Augen. Die im Pass vorgeschlagenen Unter­suchungen dienen zur frühzeitigen Erkennung, zur rechtzeitigen Behandlung und zur gezielten Überwachung von Folgeschäden des Diabetes. Er dient auch zur Vereinbarung individueller Behandlungsziele mit dem Patienten. Im Gegensatz zum täglich geführten Kontrollheft wird der Pass einmal in drei Monaten bis einmal jährlich ausgefüllt.  

Die elektronische Erfassung
Immer öfter werden die Daten der Diabetesbehandlung elektronisch erfasst und ausgewertet. Dafür gibt es in der Zwischenzeit eine Vielzahl von Diabetiker-Software-Produkten. Der Funktionsumfang hängt vom jeweiligen Produkt ab. Jedes Produkt bietet sicher ein Tagebuch an, die Mehrheit darüber hinaus Auswertungsmöglichkeiten für das Tagebuch und verschiedene Umrechnungen und Berechnungen.
Viele Diabetiker-Software-Produkte sind in der Lage, Blutzuckerwerte aus verschiedenen Blutzuckermessgeräten einzulesen. Dazu wird das Gerät mit dem Computer verbunden und die Daten auf die Software übertragen. Diese Funktion ist zwar äusserst praktisch, verleitet den Patienten jedoch dazu, nur die bestimmten Blutzuckerwerte in die Auswertung hineinzunehmen. Andere wichtige Angaben, wie Insulin/Medikamentenverbrauch, sportliche Aktivität und Hypoglykämien gehen dann verloren.
Ein grosser Vorteil ist, dass gewisse Software-Produkte von mehreren Personen benützt werden können. Andere Programme haben den Speicher an einer zentralen Datenbank im Internet. Dies ­ermöglicht dem Arzt jederzeit, auf die Daten des Patienten zurückzugreifen.
Um mit einer Software zu arbeiten, müssen Grundkenntnisse in Computeranwendungen vorhanden sein.

Die Vernunft gegen die Bequemlichkeit
Es gibt  sehr viele Gründe, die für das Führen eines Tagebuchs sprechen. Und es gibt ganz wenige dagegen. Es ist vor allem die Bequemlichkeit und der Zeitaufwand, die immer wieder einen Strich durch die Rechnung ziehen. Es braucht viel Disziplin und Zeit, um all die Werte zu dokumentieren und auszuwerten. Eine gute Software oder ein praktisch gestaltetes Kontrollheft hilft da sicher. Wie oft jedoch ist der Diabetes im Hintergrund, es wird kurz gespritzt, und die Gedanken sind gleichzeitig irgendwo bei einem Projekt. Und wenn der Diabetes gut eingestellt ist, fragt sich jemand vielleicht, wieso er einen grossen Aufwand betreiben soll, wenn die Behandlung doch erfolgreich ist.  So muss schluss­endlich jeder einzelne selber entscheiden, wie viel Aufwand ihm sein Tagebuch wert ist.

Andrea Merkel, eidg. dipl. Apothekerin, ETH

Bezugsquellen:
Tagebuch und Diabetes-Pass

Erhältlich bei allen regionalen Diabetes-Gesellschaften
oder bei der
Schweizerischen
Diabetes-Gesellschaft
Rütistrasse 3a,
5400 Baden
Tel. 056 200 17 90
 
Internetadressenhttp://www.diabetesgesellschaft.ch
Tagebuch
Diabetes-Pass
www.diabass.de
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