Bluthochdruck und Diabetes mellitus – das passt schlecht zusammen

Hoher Blutdruck, oder im Fachjargon «arterielle Hypertonie», betrifft viele Leute. Schätzungen gehen davon aus, dass zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung an zu hohem Blutdruck leiden. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Zahl der Menschen mit hohem Blutdruck zu. Man vermutet, dass zirka zwei von drei erwachsenen Diabetiker/-innen eine arterielle Hypertonie haben. Anders als andere Erkrankungen, zum Beispiel Entzündungen, Verletzungen, Infekte, verursacht zu hoher Blutdruck selten Beschwerden. Dennoch ist auch hier – wie bei der Zuckerkrankheit – eine gute Behandlung die beste Vorbeugung vor Folgeschäden, gerade auch bei Vorliegen eines Diabetes mellitus.

Was ist (hoher) Blutdruck?
Als «Blutdruck» bezeichnet man allgemein den Druck, mit dem das Blut durch die Blutgefässe des Organismus fliesst. Genauer genommen handelt es sich um den Druck, welcher von dem Blut in den Gefässen, die vom Herzen wegführen, auf die Wand dieser Blutgefässe ausgeübt wird.
Bei der Blutdruckmessung werden zwei Werte registriert, zum Beispiel 130/80 mmHg. Die erste Angabe ist der Druck, der auf die Gefässwände ausgeübt wird, wenn das Herz mit dem Herzschlag Blut in den Kreislauf pumpt. Fachlich spricht man vom sogenannten «systolischen Blutdruck». Die zweite Zahl ist der Druck zwischen zwei Herzschlägen, also wenn kein Blut aus dem Herzen in die Gefässe gepumpt wird. Man spricht hier vom «diastolischen Blutdruck». Die Messung wird in der Regel mit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben.
Was bestimmt die

Höhe des Blutdrucks?
Der Blutdruck ist von einer Vielzahl von Einflussgrössen bestimmt. Einerseits ist es die Kraft des Herzschlags, die massgebend ist. Andererseits sind der Querschnitt der Blutgefässe und deren Wand­elastizität wichtig. Mit zunehmendem Alter steigt der Blutdruck der Menschen leicht an. Die Ursachen liegen darin, dass die Elastizität der Blutgefässe nachlässt. Auch Stresssituationen jeder Art können den Blutdruck erhöhen (vgl. «Selbstmessung»).

Ursache von hohem Blutdruck?
In 90 Prozent der Fälle findet man keine bestimmte Ursache. Begünstigt wird hoher Blutdruck durch Alkoholgenuss, Übergewicht, Bewegungsmangel, zu hohen Salzkonsum und familiäre Veranlagung. In seltenen Fällen können eine Überfunktion der Nebennieren oder Gefässverengungen im Bereich der Niere oder Nierenerkrankungen eine arterielle ­Hypertonie auslösen.

Was sind die Folgen zu hohen Blutdrucks?
Hoher Blutdruck belastet das Herz, die Gefässe, die Nieren und begünstigt Arteriosklerose, Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfälle, Hirnblutungen und Nierenschwäche. Es ist deshalb wichtig, dass der Blutdruck in einem bestimmten Zielbereich liegt und gegebenenfalls auch behandelt wird, wenn er zu hoch ist. Je besser eine Hypertonie behandelt wird, umso geringer ist das Risiko für solche Folgeschäden.

Wie oft soll der Blutdruck kontrolliert werden?
Grundsätzlich ist bei Diabetiker/-innen empfohlen, dass bei jeder Arztvisite oder mindestens zwei- bis viermal pro Jahr der Blutdruck kontrolliert wird. Wenn nach einzelnen Blutdruckmessungen der Verdacht auf eine arterielle Hypertonie nicht geklärt ist, kann zur Sicherstellung eine Langzeitmessung über 24 Stunden durchgeführt werden, mit einem Messgerät, das während eines ganzen Tages automatisch mit einer Oberarmmanschette den Blutdruck aufzeichnet.

Behandlung des hohen Blutdrucks?
Neben den eigentlichen Blutdruckmedikamenten stehen regelmässige körperliche Aktivität, reduzierter Alkoholkonsum, Rauchstopp, Ernährungsumstellung (insbesondere wenig Kochsalz) und Gewichtsreduktion im Vordergrund. Mit diesen Massnahmen lassen sich 25 % der leichten Hypertonien (Grad I) normalisieren.

Blutdruckmedikamente
Es stehen eine ganze Reihe von Blutdruckmedikamenten zur Verfügung, zum Beispiel sogenannte ACE-Hemmer, Angiotensin 2-Rezeptorenblocker oder Kalziumkanalblocker, welche die Blutge­fässe erweitern. Daneben können auch Betablocker, die vor allem über die Herzaktion den Blutdruck senken, oder Diuretika (Wassertabletten), die die Kochsalz- und Wasserausscheidung fördern, eingesetzt werden.
Viele Patient/-innen mit hohem Blutdruck müssen mehrere verschiedene Tabletten täglich einnehmen, um zielgerechte Blutdruckwerte zu erreichen.
ACE-Hemmer oder Angiotensin 2-Rezeptoren­blocker gehören zur Grundtherapie eines hohen Blutdrucks, vor allem bei Diabetes mellitus. Seltener werden sogenannte zentral wirkende Blutdrucksenker eingesetzt oder das neue, gefäss­erweiternde Aliskiren. Die meisten Blutdruckmedikamente erfordern eine regelmässige Kontrolle des Salzhaushaltes im Körper (Natrium, Kalium, Chlorid) sowie auch der Nierenfunktion, sind aber allgemein ­nebenwirkungsarm.

Zielwerte bei Diabetikern
Der obere Blutdruck sollte zwischen 130 und 139 mmHg, der untere zwischen 80 und 85 mmHg liegen. Wenn bereits eine Nierenschädigung vorliegt, sind Blutdruckwerte unter 130 respektive unter 80 mmHg als Zielwerte definiert. Eine Blutdrucksenkung unter den angegeben Werten ist nicht sinnvoll. Ist aber der Blutdruck ohne Therapie unter den erwähnten Zielwerten und für die Betroffenen nicht spürbar, ist es für den Körper nicht schädlich.

Typ 2 – Denk 3 !
Insbesondere bei Typ-2-Diabetiker/-innen, die sehr häufig neben Diabetes mellitus auch hohen Blutdruck und schlechte Blutfettwerte aufweisen, gilt der Grundsatz «Typ 2 – Denk 3!». Damit ist gemeint, dass zur Vorbeugung von Spätfolgen im Herz-Kreislaufsystem nicht nur der Blutzucker, sondern auch der Blutdruck und die Blutfette kontrolliert und allenfalls auch rigoros behandelt werden müssen. Diese drei Risikofaktoren sind nicht nur einzeln, sondern in der Kombination überproportional gefährlich.

Selbstmessung des Blutdrucks
Die Selbstmessung ist grundsätzlich allen Patienten/
-innen empfohlen, die mit der Handhabung eines solchen Gerätes vertraut sind. Der Blutdruck kann so unter Alltagsbedingungen kontrolliert werden. Eigenmessungen ersetzen aber nicht die Arztkonsultation und dürfen nicht zur eigenhändigen Änderung der ärztlichen Verordnung von Blutdruckmedikamenten verleiten.
Die Messungen sollten in der Regel ein- bis zweimal pro Tag (morgens, eventuell auch abends) immer unter den gleichen Ruhebedingungen durchgeführt werden: Geistige Anspannung, Schmerz, Lärm, Füllung der Harnblase, Rauchen und koffeinhaltige Getränke können die Blutdruckwerte vorübergehend erhöhen und sind deshalb bei der Messung zu vermeiden. Notieren Sie die gemessenen Werte in Ihrem Diabetesbüchlein oder einem gesonderten Heft (z. B. Blutdruckpass).
Lassen Sie sich beim Kauf eines Gerätes gut beraten und instruieren. Dabei ist nicht nur das Messgerät selbst wichtig, sondern auch die korrekte Grösse und das richtige Platzieren der Manschette und die Position des Oberkörpers und des Ober- oder Unterarmes während der Messung. Anleitungen zur korrekten Selbstmessung finden sich im Internet, zum Beispiel bei der Schweizerischen Herzstiftung (www.swissheart.ch) oder anderen Organisationen.

Der Bluthochdruck verursacht keine Beschwerden, ist aber ein Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der Broschüre wird erklärt, wie Patienten mit Bluthochdruck umgehen und gefährlichen Folgen vorbeugen können.
Der Blutdruck-Pass enthält Tipps zur Selbstmessung und bietet Platz für über 150 Eintragungen.

Die Broschüre «Bluthochdruck» und der
«Blutdruckpass» können bezogen werden bei:
Schweizerische Herzstiftung, Schwarztorstrasse 18,
Postfach 368, 3000 Bern 14
Telefon 031 388 80 80, Telefax 031 388 80 88
info {at} swissheart.ch, www.swissheart.ch

Dr. med. A. Spillmann