Insulin – Die richtige Mischung macht’s

In den letzten 10 bis 20 Jahren hat sich das Angebot der Insuline stetig in Richtung der sogenannten Analoginsuline verschoben. Diese heissen so, weil sie mit dem beim Menschen in der Bauchspeicheldrüse produzierten Insulin nicht identisch sind, aber die gleiche (analoge) Wirkung haben. Durch kleine Veränderungen der Eiweisskette konnte das Verhalten des Insulins leicht angepasst werden – mit früherem oder späterem Wirkungseintritt und längerer oder kürzerer Wirkdauer.
Dies im Gegensatz zum sogenannten Humaninsulin, bei dem die Eiweisskette mit dem im menschlichen Pankreas produzierten Insulin identisch ist, und im Gegensatz zu den tierischen Insulinen mit einer Eiweisskette, wie sie beim Schwein oder Rind vorkommt.
Bei diesen Insulinen wird die Wirkzeit durch Beifügen von Zusatzstoffen verändert. Der bekannteste Zusatzstoff ist das sogenannte NPH. Dies ist eine Abkürzung für «Neutral-Protamin-Hagedorn». Es bewirkt, dass die Wirkung des Insulins erst nach etwa drei Stunden einsetzt und dafür auch wesentlich länger anhält. Je nach gespritzer Dosis beträgt die Wirkdauer 12 bis 18 Stunden.
Das NPH ist im Gegensatz zum Insulin milchig trüb. Man sieht in der Insulinampulle deutlich zwei Phasen der Flüssigkeit. Eine wasserklare, in der das aktive Insulin gelöst ist, und eine milchig-trübe, die das NPH enthält.
Darum ist es bei allen älteren Insulinen, deren verzögerter Wirkeintritt auf diesem Mechanismus beruht, so wichtig, die Ampulle vor der Injektion gut zu mischen. Es wird empfohlen, die Ampulle oder den ganzen Pen zu rollen oder sanft hin und her zu wiegen, etwa 20-mal. Von einem starken Schütteln wird abgeraten.
Bei einer ungenügenden Durchmischung des Insulins kann es vorkommen, dass ein zu grosser Teil des reinen Insulins gespritzt wird, welches dann zu schnell und zu stark wirkt. Oder dass ein zu grosser Anteil des Verzögerungsstoffes gespritzt wird, so dass die Wirkung schwächer und langsamer als gewünscht ausfällt. Neben den direkten Problemen führt eine wiederholte Injektion von schlecht gemischtem Insulin aber auch dazu, dass sich das Mischverhältnis in der Insulinampulle verändert, so dass dann selbst bei korrekter Anwendung die Wirkung nicht mehr die vorgesehene ist.
Den Begriff «Mischinsuline» gibt es auch als Bezeichung von Insulinsorten. Dieser Begriff bezeichnet aber nicht alle Insuline, die man mischen muss. Man nennt so eine Mischung aus zwei Insulinen mit verschieden langer Wirkdauer. Die eine Komponente ist dabei ein rasch wirksames Analog- oder Humaninsulin, die andere ein verzögert wirksames Insulin. Bei den heute erhältlichen Mischinsulinen ist die verzögert wirksame Komponente immer auf Basis von NPH- Insulin. Auch diese Insuline haben also eine klare und eine milchige Komponente und müssen gemischt werden.  
In der heutigen Insulinauswahl gibt es also verschiedene Insulinsorten, die man mischen muss, bevor man sie injiziert. Nicht alle davon sind Misch­insuline, aber alle aktuell erhältlichen Misch­insuline müssen gemischt werden, auch wenn der Name nicht darauf beruht.
Zum Glück ist die praktische Anwendung aber ganz einfach, denn es gilt: Alle milchigen Insuline müssen gemischt werden, alle klaren können direkt gespritzt werden. Auch für die klaren Insuline ist ein Mischen völlig unschädlich. Falls also doch einmal Zweifel bestehen sollten, kann mischen nie schaden.

Dr. med. Dirk Kappeler