Häufigkeit von Diabetes in der Schweiz: Neue Studie

Wie in vielen anderen Ländern auch, gibt es in der Schweiz keine zuverlässigen und national repräsentativen Studien über die Häufigkeit von Diabetes. Deshalb beruhen auch die Angaben der Schweizerischen Diabetesgesellschaft zur Zahl der Menschen mit Diabetes in der Schweiz auf Schätzungen, die sich auf Studien anderer Länder stützen. Dass solche Angaben unsicher sind, zeigt die Tatsache, dass diese Zahl von der Internationalen Diabetesvereinigung (International Diabetes Federation, IDF) fast doppelt so hoch eingeschätzt wird.

Forschern der Universität Zürich ist es gelungen, Daten aus drei unterschiedlichen Quellen zu nutzen, um genauere und zuverlässigere Zahlen zur Häufigkeit von Diabetes in der Schweiz zu erhalten. Sie verwendeten Daten aus der Spitalstatistik, der Todesursachenstatistik und der Schweizerischen Gesundheitsbefragung. Dabei war ausschlaggebend, wie häufig Diabetes als Spital-Nebendiagnose, als Begleit-Todesursache oder als Selbstangabe deklariert wurde.
Die drei Datenquellen zeigen eine erstaunlich hohe Übereinstimmung. Sie ergeben eine durchschnittliche Häufigkeit von Diabetes bei Personen zwischen 20 und 84 Jahren von bis zu 4,9 % bei Männern und 3,7 % bei Frauen. Das entspricht auf die ganze Schweiz bezogen einer Zahl von rund 300 000 Personen mit Diabetes.
Ab dem vierzigsten Altersjahr steigt die Häufigkeit von Diabetes steil an und gipfelt bei Männern (16 %) und Frauen (12 %) zwischen 75 und 84 Jahren. Die Resultate zeigen zudem, dass Diabetes zwischen 1995 und 2008 deutlich zugenommen hat, besonders bei Männern. Die Autoren der Studie schliessen nicht aus, dass ihr Ansatz die «wahre» Diabetes-Häufigkeit in der Bevölkerung etwas unterschätzt.
Deshalb erscheint die Annahme der Schweizerischen Diabetesgesellschaft von 350 000 Personen mit Diabetes realistisch. Die von der IDF geschätzte Zahl von über 630 000 Personen ist hingegen zu gross. Die Ergebnisse der Zürcher Studie wurden jüngst im renommierten Fachjournal «Diabetes Care» publiziert.

David Fäh, Matthias Bopp
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Zürich

Referenz:
Bopp M, Zellweger U, Faeh D. Routine Data Sources Challenge International Diabetes Federation Extrapolations of National
Diabetes Prevalence in Switzerland. Diabetes Care. 2011.
Online: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21926288